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Trauma

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Trauma
Trauma: "Eines Tages passierte es.
Eines Tages bin ich weggegangen. Ich ging."

Dieser Artikel bietet Informationen zu verschiedenen Aspekten von Trauma und Schockzuständen sowie Umgangsweisen damit. Es geht dabei in erster Linie um Menschen-gemachte Traumata mit ihrer Wirkungsweise auf Psyche und Seele.

Der Artikel beruht auf Kenntnissen, die sich Betroffene erarbeitet haben und als nützlich empfunden haben. Er enthält Anregungen und Beobachtungen, die nicht immer in jedem Falle zutreffen.

Inhaltsverzeichnis

Trauma

Als Trauma wird ein überwältigendes Erlebnis bezeichnet, dass Störungen in Psyche, Persönlichkeitsausdruck, Alltagsbewältigung und auf der Körperebene hinterlässt. Wird ein Trauma nicht bearbeitet, verfälscht es die Wahrnehmung des Betroffenen und behindert eine angemessene Antwort auf das Leben und die Situationen, die ihm entgegenkommen.

Bei einem Trauma sind nachweislich die Verbindungen zwischen Gehirnteilen unterbrochen. So ist kein Abgleich von Informationen mehr möglich, sondern nur noch bruchstückhafte Beurteilungs- und Funktionsweisen. Entsprechende Re-aktionen laufen dann vorrangig zu allen Vernunft-Aspekten ab. Die Verknüpfungen zwischen Ereignis und Emotion sind überladen von der vergangenen traumatischen Erfahrung. Die wichtigsten Kernbegriffe zu dem Zustand und seinem Mechanismus heißen "erstarrt" und "eingefroren".

Vicky Wall, die blinde Begründerin von Aura Soma, hatte die Seele in der Aura wahrgenommen als einen goldenen runden Punkt, der sich im Zustand eines Schocks nach außerhalb in die Aura verschob, in eine sogenannte ätherische Lücke des Energiekörpers. Diese Verschiebung blieb für sie sichtbar bestehen solange die Menschen das Trauma nicht verarbeitet hatten. Vicky Wall erhielt später die Rezeptur für die am häufigsten gebrauchte Aura-Soma-Flasche Nr. 26 (orange/orange, die Rescue-Flasche für die Psyche, zur Integration von Schocks).

Traumatisierte Menschen sind hoch-sensibel. Das gehört auch zu ihren Überlebens-Mechanismen: Viele waren früh darauf angewiesen, im voraus drohende Gefahr zu erahnen und Untertöne in Stimme und Sprache zu erkennen.

Auf die generöse Aussage "wir sind doch alle multiple Persönlichkeiten" reagieren traumatisierte Menschen allergisch. Ebenso auf die Gleichstellung mit Anteilen wie "Inneres Kind/Kritiker/Saboteur", dem Freudschen Konzept von Es/Ich/Über-Ich und der Philosophie von "Ach zwei Seelen wohnen in meiner Brust" [1]: sie wissen instinktiv, dass der Mechanismus auf völlig anderer Grundlage beruht.

Langzeitstudien mit jüdischen Kriegswaisen in den Niederlanden von H.Keilson (1979-2005) haben ergeben, dass die Art und Weise des Umgangs mit den Kindern in den Jahren nach der Traumatisierung eine größeren Einfluss hatte auf die sich entwickelnde Symptomatik als das traumatisierende Ereignis selbst.

Traumatisch bedingte Verhaltens- und Persönlichkeits-Störungen können auf die Kinder übertragen werden. Das zeigt auch das Wissen um morphogenetische Felder und die Psychodynamik aus den Familienaufstellungen. Der wissenschaftliche Forschungsbereich Bereich Epigenetik hat ebenfalls solche Vererbbarkeit gefunden, aufgrund von vererbter, spezifischer Inaktivität von Genlesbarkeit.

Trauma-Dynamik im der spirituellen Umfeld

Viele Antworten aus esoterischen und psycho-spirituellen Konzepten können verstörend und sogar sarkastisch wirken, wenn sie auf eine Kerbe in der Trauma-dynamik treffen. Hier hilft Achtsamkeit im Kontakt zu sortieren, was auf welcher Ebene gültig ist und wohin gehört.
Gemäß der Trauma-Dynamik taucht auch in Gruppen, die sich um Coaches und spirituelle Meister entwickeln, gern die Ambivalenz des "geliebten Täters" auf. Das bedeutet, dass das, was man so gerne möchte und ausschließlich wahrhaben möchte, häufig im Doppelpack kommt mit etwas, was man um jeden Preis vermeiden möchte. Das ist ein trickreicher, enttäuschender Mechanismus, der leicht mit betrogen-worden-sein und Verrats-Gefühlen einhergeht.

Besonders charismatische Lehrer und Coaches, die mit der zur Verfügung stehenden Energie arbeiten (statt in Stille, wie bei Wahrheits-Lehrern), sind hier dann schnell im Kreuzfeuer von Sektenhaftigkeit und den Anklagen, wer wie unfair wem die Energie raubt. Es wird dann schwierig zwischen narzisstischer Egozentrik, Ego und einem Schatten oder Neid auf die Verwirklichung des eigenen Potentials zu unterscheiden.
(Mehr dazu in den Artikeln Spiritualität mit Tücken, Wahrheit, Charisma.)

Unsere Seele, die in ihrem Naturzustand offen, neugierig und radikal ehrlich ist,
ist gleichzeitig hoch-sensibel, anpassungsfähig und radikal umformbar.
Im Falle einer Traumatisierung kann sie sich zurückziehen, betäuben, spalten und weigern ein kohärentes Ich zu bilden, sich verdichten.

Die Seele möchte gesehen und erkannt werden - das bedeutet die Anerkennung des Geschehens.
Wenn wir auf die Seele schauen, verändern sich Zeit- und Raumempfinden. Vergangenheit und Gegenwart gehen ineinander über.

Hunter Beaumont[2]

Herangehensweisen (für Begleiter)

Aufgrund der speziellen Funktionsweise des Dissoziation-Mechanismus, der Abtrennung der Psyche, greifen "normale" Therapieformen meist nicht, weil sie immer nur einen Teil erreichen und der Überlebens-kompetente Anteil im Hintergrund den augenscheinlichen Erfolg sabotiert. Außerdem sind Traumata im Körper gespeichert - das heißt, das rein kognitive Verfahren nur sehr begrenzt wirksam sind. Da der Betroffene nicht alle Kräfte homogen zur Verfügung hat, kann er viele "Versprechen" gar nicht erfüllen.

Hier muss der innere natürliche Fluss wieder frei werden. Dafür es gibt spezielle Trauma-Therapie-Formen. Sie basieren darauf, dass das natürliche Abreagieren beim Überleben unterbrochen worden ist und die Reaktion nun zuende geführt wird. Populär geworden ist dieser Ansatz durch Peter Levine's Buch "Das Erwachen des Tigers"

Fallen, Fettnäpfe

  • Im reaktiven Modus wirken Sachlichkeit, Verbagatellisierung oder gar Ignoranz leicht wie das alte "im-Stich-lassen" und die erlebte Demütigung: sie bestätigen eher das Muster als dass sie den Betroffenen aus der Schleife holen. Die Folge ist das unbedingte Bedürfnis, die auslösende Person zu meiden.
  • Verzeihen und Vergeben funktioniert bei diesem Mechanismus nicht wirklich (erst sehr viel später) und der Anspruch bringt die Betroffenen meist zur Verzweiflung, in Wut aus Hilflosigkeit. Vergebung funktioniert nur nach dem Verständnis von Pater Anselm Grün: "Vergebung bedeutet, die Tat beim Täter zu lassen."[3] Mit dieser Aktion kann auch die damit verbundene "gewaltige" Energie dem Täter zugeschrieben werden, statt sie zu übernehmen.
  • Verbündung mit Autorität: Autorität, manchmal auch schon bloß Integrität, ist mit der des Täter verknüpft und landet meist im Täter-Opfer-Modus. Durch obiges Verständnis von Vergebung kann die Verbündung gelöst und übertragen werden auf eine echte, gesunde Autorität.
    Manchmal hilft auch das Krasse wie bei Bert Hellinger um den Nullpunkt auf dem verschobenen inneren Maßband zum Realen hin verschieben: "Es ist eine Anmaßung, das von dem Täter zu nehmen, zu übernehmen." Wenn das als Anwalt gesprochen wird, verleiht das die Kraft, das auch zu tun, wider den Täter. Solche "Umverknüpfung" kann dann über Spiegelung, die Spiegelneuronen funktionieren, wenn Vertrauen und Unterscheidungsvermögen da sind - so wie Kinder lernen und Demenz-patienten noch funktionieren.
  • Konfrontative Herangehensweisen, die für Neurotiker und Borderliner funktionieren mögen, können sogar kontraproduktiv sein. Ein Wiedererleben bestärkt die "Verdrahtung". Daher sind Übungen, die auf Kartharsis (Ausleben) beruhen sehr umstritten (Bioenergetik, Kundalini-Meditationen). Die Kraft und der Wille, der bei Konfrontation oder Ausagieren berührt wird, ist eine äußerst heikle Angelegenheit, weil dieser im Ursprungs-Trauma überrannt worden ist. Der reine Überlebenswille ist dann derjenige, der vorrangig in Funktion tritt und der ist dann schwer angemessen abzustufen.
  • Dementsprechend werden psychologische und esoterische Aussagen wie "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg" leicht wie sarkastische Plattitüden aufgenommen. Sie stürzen den Betroffenen in die Unmöglichkeit, Hilflosigkeit und Aussichtslosigkeit, die damit verbunden ist oder verleiten ihn zu heroischen Taten, die Aufspaltung und Ego produzieren.
  • Ebenso kontraproduktiv sind die beliebten Techniken, Vergangenheit und Heute/Jetzt zu trennen, auseinander-zu-dividieren. Neben Psychologen übersehen auch viele spirituelle Lehrer, dass solche Trennung dem Dissoziations-Muster entspricht und eher zu nächtlichen Alpträumen führt. Wenn man das Gesetz der Polarität einbezieht, dann fordert die willentliche Versetzung ins Jetzt die entsprechende Gegenkraft heraus, die dann im Untergrund ihr Unwesen treibt.
  • Ein sehr heikles Thema selbst für professionelle Helfer sind Versuche, echte Erinnerungen zu unterscheiden von produzierten Erinnerungen. Der Kampf um die Richtigkeit und Verlässlichkeit der eigenen Wahrnehmung ist existentiell für die Psyche. Wo man seine Gedanken hinlenkt, folgt der Rest an hirn-technischer Kreativität nach - und es wachsen dabei nicht nur tatsächlich geschehene Vorfälle. Gezogene Konsequenzen können Verheerendes anrichten auf Beziehungsebene. Mehr dazu im Abschnitt Pseudo-Erinnerungen.
  • Doppelbotschaften sind in nicht funktionierenden Familien ein Strickmuster, das Betroffene immer wieder im energiefressenden Dilemma landen lässt. Bei Doppelbotschaften sind die verbale und die nonverbale Aussage widersprüchlich - wie bei "mir gehts prima", während man sich tatsächlich miserabel fühlt. Oder "ich mag dich" mit unausgesprochenem "aber". Die Verwirrung und Aussichtslosigkeit, das Dilemma zu lösen führt zu niedrigem Selbstwert-Gefühl, emotionaler Entfernung und Bindungsproblemen. Häufig können Betroffene selbst kongruenten Aussagen schwer trauen, weil sie nach dem gewohnten Widerspruch suchen.

Schlüssel

  • Assoziation: die vergangenen Element mit der Hier-und-Jetzt-Realität zu verbinden und auf diese Weise im Gehirn Alternativen anzubieten und zu stärken.
  • Ehrliche Anerkennung des Geschehens hilft mehr als das Geschehen aus dem Jetzt auszusperren. Im tiefsten Innersten weiß man einfach, dass es "nur" eine Technik ist; und der Gewalt-erfahrene Kern lässt sich nicht manipulieren. Er muss einverstanden sein, was durch Achtung und Ehrlichkeit geschieht. Dasselbe gilt auch für Phantasiereisen, Loslassen und einen lockeren Vorschlag, "mal eben alles umzuprogrammieren" per NLP, EFT oder EMDR.
  • Familienaufstellungen heben die Elemente Aufdeckung, Anerkennung, Würde gut hervor - sie beantworten dieses Bedürfnis nach Gehört-werden. Allerdings sollte der Therapeut um die Trauma-Dynamik wissen, da er sonst mit unbedachten und idealisierten Eingaben triggern kann.
  • Das Einbeziehen der spirituellen Ebene hilft, mit Sinnhaftigkeit einen Zusammenhang zu fördern und sich selbst mit dem zu identifizieren, das heil geblieben ist - und unantastbar auch während des Traumas. Da es in der ursprünglichen Erfahrung immer um das Erleben von Tod und "Nichts" geht, ist es wichtig, die Erfahrung des vernichtenden Göttlichen wieder zu verbinden mit den ebenso realen Aspekten von Existenz-gebend, nährend, wohlwollend und erhaltend. Vorher funktioniert Meditation nicht.
  • Als hilfreich werden oft Beschäftigungen empfunden, die an das Urvertrauen und das Archaische rühren und die Körperebene mit einbeziehen (weil der mind so auf "Überleben" getrimmt ist): Klänge - möglichst "urtümliche", wie auch Trommeln und indianische Weisen. Ausdruck durch Malen/Kunst, Natur und Erd-verbundene Tätigkeiten helfen; das Bewusstsein des Umfassenderen von Mutter Erde stärken mit ihren eigenen Zeiten von Wachsen und Vergehen, von natürlicher Zerstörung und Neubeginn.
  • Die Gefahr, dass man bei ausgelösten Trauma-Schleifen keine Hilfe durch die Leiter spiritueller Seminare bekommt, ist groß. Deren Reaktionen, wenn ihre Konzepte nicht greifen, können sogar wie eine Re-Traumatisierung wirken. Eine unbedingte Empfehlung ist, mit dem Seminarleiter über seine Mechanismen zu sprechen und Verhaltensregeln festzulegen für kritische Situationen. Das ist nicht nur fair gegenüber dem Leiter sondern markiert auch einen Unterschied zu der Trauma-Erfahrung bei auftauchenden Triggern oder Flashbacks.

Stress-Toleranz-Skills

Eine Liste sogenannter "Stress-Toleranz-Skills" oder Stess-Notfall-Werkzeuge sind hier gesammelt, einer website für Dialektisch-Behavorale Therapie (DBT).

Eine Sofort-Hilfe um ins "Jetzt" zu gelangen: Zähle jeweils

  • 5 Dinge auf, die du sehen kannst
  • 4 Dinge, die du jetzt hören kannst
  • 3 Gerüche, die du jetzt riechen kannst.

Bei drohendem "Auseinanderfallen" (Dissoziation) oder selbstzerstörerischen Verhalten können starke sensorische Reize helfen, zum Beispiel Kälte oder Riech-Reize wie Chili (auch als Weingummi bei Bärentreff), scharfer Senf oder "Ammola"-Riech-Ampullen aus der Apotheke, die einen stechenden Ammoniak-Lavendel-Geruch entfalten.

Das Leben ist ein Spiel, das man nicht gewinnen kann.
Es kann nur gelebt werden.

Bagger Vance (im Film)[4]


Sichtweisen spiritueller Lehrer

  • "Schock versetzt dich in das, was du wirklich bist - ohne jeden Bezug zu deiner Vergangenheit und ohne Bezug zu Erinnerung." (John de Ruiter) [5][6]
  • "Eine Verletzung des Selbst innerhalb eines Traumas fordert das direkte [spirituelle] Wissen und zieht es unmittelbar zur Verletzung. Es heilt nicht die Wunde - es ist eine Antwort auf die Verwundung." (John de Ruiter) [7] [6]
  • "Wenn ein Kind erstmals missbraucht wird, dann ist es kein Opfer, weil ein Kind nicht in erster Linie eine Person oder ein Selbst ist - es ist ein Wesen. Das Bewusstsein, das in einem Kind ist, ist das Bewusstsein eines Wesens. Therapie kann ein Weg sein, das zu erfahren - als ein Selbst und als ein Opfer. Als Trauma wird es nur auf Ebenen registriert, die traumatisiert werden können. Das bezieht sich nicht auf das Wesen." (John de Ruiter) [8]
  • "Trauma kann bestimmte Ebenen abschalten (shut down). Aber auf der Ebene, von der ein Baby oder Kind kommt, muss es nicht seine Entwicklung stoppen, selbst wenn in manchen Ebenen echter Schaden aufgetreten ist. ..." (John de Ruiter) [9]
  • In der Psychologie wird oft von der "verletzten Seele" gesprochen. Dies bezeichnet, dass der Mechanismus nicht mehr auf der Persönlichkeitsebene liegt sondern auf die Bewusstseinsebene getroffen hat. Besonders bei kleinen Kindern, die noch keine Persönlichkeit ausgebildet haben, leuchtet das ein.
    Das widersprüchlich klingende spirituelle Konzept der "Unverletzbarkeit der Seele" bezeichnet hier vielleicht mehr die Essenz als die Form "Seele". Auch macht es Sinn mit dem Begriff "Verschattung" und der Beschreibung von "Rückzug" des Bewusstseins (versus Unvollständigkeit durch Verletzung, Abtrennung).[10]
  • "Psychose ist ein Zustand von Hängengeblieben zwischen zwei Kreationen und ihren Möglichkeiten - das einzige, was einen hinaus-bringt ist, sich auf eine der beiden Kreationen einzulassen." (Harry Palmer) [11]

In dem Film "Die Legende von Bagger Vance" wird der Weg eines Golf-Meisters aus seinem Trauma-geprägten Leben auf bewegende Weise erzählt. Dieser Ausschnitt bringt den entscheidenden Moment auf den Punkt:

Zum tieferen Verständnis

Elemente der Dynamik

Wenn man die Haupt-Elemente der traumatischen Dynamik kennt, kann man obenauf bleiben auf der "Wildwasserfahrt" eines Wiedererlebens. Man kann konstruktive Alternativ-Antworten finden. Begleiter können herausfinden, warum ihre Antwort nicht funktioniert hat (mehr dazu siehe im Teil Herangehensweisen). Neben den individuellen und Situations-bezogenen "Stempeln" oder "Bruchstellen" sind die allgemeinen Schlüsselkerben:

  • Verlassen sein
  • Nicht stoppen können - Aggressionen aushalten
  • Überschwemmung - Intensität, Eindringlichkeit, (motivierende) Überzeugungsrede
  • Grenzen durchbrechen - "Loch im Zaun" und blinde Flecken durch die Verdrängung (kann sich in Panik und auch im Zusammenbruch des Immunsystems zeigen)
  • in einen unkontrollierbaren, tiefen/hohlen Raum treffen - der die essentiellen, reduzierten Gehirnteile aktiviert unter Umgehung aller verarbeitenden Gehirnteile (hier kommen später auch "Stimmen" her)
  • gebrochene Integrität (kann sich in der Unfähigkeit von direkter Ansprache zeigen)
  • Schweige-Gebot (unfreiwillige Verbündung mit dem Täter, oft mit abgrundtiefer Scham gekoppelt) oder noch stärker:
    Rede-Verbot ("mundtot-gemacht")
  • Unglaube und Verbagatellisierung der ersten Hilfsperson - im Stich gelassen (meist die Mutter, später dementsprechend dann eine weibliche Vertrauensperson, die den Teil triggert und die Aussichtslosigkeit besiegelt. Der Teil ist schlimmer als der Missbrauch selbst)
  • Apathie und/oder Dissoziation (Unfähigkeit, komplexen Gedanken zu folgen und Zeitbezug herzustellen, zu planen)

Die reale Wucht der Empfindungen wird von Außenstehenden oft unterschätzt und als übertrieben gewertet. Manche Emotionen und Reaktionen wirken roh und ungefiltert, nicht "geglättet" von andern Persönlichkeitsaspekten.

Verbundene Gefühle

Wenn Menschen traumatisiert sind,
passiert etwas Seltsames mit ihrer Erinnerung:
Sie denken, das traumatische Geschehen ist das Problem,
aber in Wirklichkeit ist es die Erinnerung.

Yoram Yovell, Trauma-Psychiater[12]

Angst

Angst ist in der Trauma-Dynamik ein unterschiedlich ausgeprägtes Symptom (besonders stark in Alpträumen). Grundlagen und Umgangsweisen für minder-schwere Angst-Gefühle befinden sich im Artikel Angst.

Trauma-Betroffene wirken oft irreführend Angst-frei: sie sind eher Meister darin, ihre Not zu verbergen und wirken wie starke Menschen, die "doch was aushalten". Dies gehört zu den Überlebens-Taktiken, die früher mal angemessen nützlich waren und heute "pseudo-erwachsen" wirken.

Die akute Reaktion ist eher geprägt von Erstarrung, Geistesabwesenheit, Hilflosigkeit und Unfähigkeit. Das äußert sich unter anderem in schneller Erschöpfung und Unzuverlässigkeit, was im Betroffenen Verzweiflung hervorruft. Darunter liegt dann Verletzlichkeit und verborgene Scham (wie für die Probleme mit Verlässlichkeit).

Ambivalenz

Bert Hellinger, zum Beispiel, hat in Familienaufstellungen aufgezeigt, dass es nicht geht, vom Elternteil (wenn er als Täter gehandelt hat) nur das eine zu nehmen und das andere zurück-zuweisen. Genauso, wie man Gefühle nicht selektiv wahrnehmen oder unterdrücken kann, führt solche Strategie zu Abspaltung (einseitige Wahrnehmung) und Ambivalenz.

Die angemessene Antwort wäre, eher Trauer und Schmerz zu fühlen, die mit der Tat (und nicht mit der Person) verbunden sind.
Die Lehre von der Verabredung auf Seelenebene, sich um der Erfahrung willen das im einvernehmlichen Verständnis zuzufügen, lindert dabei die Wut auf der Personenebene.

Schuld

Die meisten Betroffenen haben mehr oder weniger offensichtlich Schuldgefühle verinnerlicht. Entweder durch das Rede-Verbot oder die Bedrohung mit dem Tod an sich im Trauma-Geschehen. Die kindlichen bedingungslose Liebe und Logik ist: "wenn keiner die Schuld nimmt, dann hab ich sie wohl -". Viele Betroffene leben auf diese Weise mit einer erdrückenden Last von Schuldgefühlen, die gar nicht die ihren sind.

Wenn das kindlich-liebende Gemüt anerkannt ist, kann man an die Kraft des Erwachsenen appellieren mit der krassen aber hilfreichen Formulierung: "Es ist eine Anmaßung, diese Schuld (das Schicksal) des Anderen auf sich zu nehmen."[13] Das spricht eine Schattenseite an, wo das Bewusstsein Schuld benutzt um sich zu verhüllen (es ist immer-mal wichtig, den aktiven Teil auf höherer Ebene bei der Dynamik anzusprechen).

Scham

Scham ist in der Trauma-Dynamik ein leicht übersehenes Symptom. Es taucht auch erst sehr spät in der Wahrnehmung auf, weil es mit dem beschützten gekoppelt ist. Es verschleiert den Beschützer (-Anteil), der im ersten Moment als genauso bedrohlich empfunden wird wie der Täter. Solche Vermischung macht es schwierig, diesen ureigenen, wissenden Schatten zu erlösen, der der Gewalt eigentlich ebenbürtig ist.

Um zu Ursprünglichkeit, Berührbarkeit und Verletzlichkeit zurückzukommen, ist es wichtig, damit gesehen zu werden und sich mit diesem Gefühl von Scham auseinanderzusetzen. Sonst ist ein authentisches Leben nicht wirklich möglich.

Mehr zum Thema Scham findet man bei Brene Brown und im Vortrag von Stephan Marks auf dem Trauma-Kongress 2012, wo er über die vier Themen der Scham spricht:

  • Anerkennung
  • Schutz
  • Zugehörigkeit
  • Integrität

Scham: die Hüterin der Würde des Menschen

Stephan Marks


Dissoziation als Selbstschutz

Dissoziation heißt soviel wie "Auseinander-driften" und ist ein häufiger Mechanismus besonders bei frühen traumatischen Erlebnissen. Man kann ihn als eine Art Totstell-Reflex bezeichnen. In den letzten Jahrzehnten wurde immer deutlicher, dass dies nicht einfach nur ein psychischer Mechanismus ist, sondern eine nachweisbare funktionelle Fehlentwicklung im Gehirn bewirkt.

Dissoziation ist ein natürlicher Schutzmechanismus innerhalb des ersten Lebensjahres. Er wird verlernt, wenn der Mechanismus nicht in Anspruch genommen bzw. ausgelöst wird und das Gehirn normal reift. Durch wiederholte überwältigende Erfahrungen kann der Mechanismus aufrechterhalten werden und später auch gezielt zur Lebensbewältigung benutzt werden. Erleben und Wahrnehmung ist dann nicht mehr ganzheitlich.

Dissoziation bedeutet das Auftrennen zwischen Psyche und Körper und geht mit einer Abspaltung von Gefühlen einher. Dies verhindert eine Reiz-Überflutung in der Situation. Später, in Sicherheit, kann das Erlebnis verarbeitet werden und die Funktionseinheit von Psyche und Körper wiederhergestellt werden. Gängige Redeweisen für den Zustand sind in diesem Zusammenhang

  • neben sich stehen, sich selbst zuschauen, ausgestiegen sein, nicht da sein, weg-sein
  • Zombi-ähnlich, im Autopilot-Modus funktionieren, irgendwie amputiert, mit einem Bein rennen
  • andere haben das Gefühl "da ist keiner zuhause", was sich auch deutlich in den "leeren" Augen zeigt

In schweren Fällen wird die Dynamik so beschrieben, dass man alle Anteile von sich in Sicherheit bringt und nur noch eine funktionstüchtige Minimalversion von "sich" nach außen hin zeigt. Es erlaubt einem, eine alternative Persönlichkeit zu bilden, die das Leben managen kann. Manchmal kann man bewusst miterleben, wie eine Art Erstaunen die Eingangspforte bildet zum Opfer-Empfinden (wie kindliches Weinen) und dann durch eine Art Vorhang zum kompetenten Beschützer-Anteil durchgeht. Meist erlebt man sich jedoch nur als Objekt eines Wechsels (Switch).

Schwerste dissoziative Störungen wurden als "Multiple Persönlichkeiten" vor allen in den 90ern bekannt als Folge von schwersten frühkindlichen Missbrauch und gezielter Kriegs-Methoden um lenkbare Personen zu schaffen, die auf Trigger hin das gewünschte tun. Betroffene beschrieben es als eine Ansammlung von Persönlichkeiten, die den Körper je nach momentaner Anforderung mit ihren jeweiligen Teilkompetenzen übernahmen, meist ohne voneinander zu wissen. Das ergibt einen chaotischen Lebensstil, der meist in einem Erschöpfungs-Syndrom endet, weil das Händeln dessen so viel Energie bindet.

Aus der höheren Perspektive von Wahrheit ist Dissoziation eine aktive Entscheidung und Tat des individuellen Bewusstseins.
Auf einer von der menschlichen Seite her nicht zugänglichen Ebene besitzt dieses Bewusstsein die Möglichkeit durch eine minimale Weichenstellung [14] diese Auftrennung zu unterlassen. In diesem Rahmen von Liebe hilft die Anerkennung dessen, den Automatismus sozusagen in die Hände zu bekommen. Dann kann man die Reaktionsspanne verlängern, aushalten und alternatives Erleben einbinden.

Posttraumatische Störung

"Posttraumatisch" heißen die Folgeerscheinungen, die sich aufgrund eines unverarbeiteten Traumas entwickeln. Je nach Ausprägung gibt es die

  • Belastungs-Störung: nach akut auftretenden Auslösern (Triggern) läuft das Muster ab. Das kann Tage bis Wochen andauern - jede Verkürzung ist ein echter Erfolg. Dauerhaft oder gehäuft heißt das "Syndrom".
  • Anpassungs-Störung: eine generelle Einschränkung der sozialen Kompetenz und häufigen, unvorhersehbaren Ausfällen
  • Persönlichkeits-Störung: mit so gravierenden, meist destruktiven Persönlichkeitsveränderungen, dass auch schon ohne speziellen Auslöser eine destruktive, Trauma-geprägte Verhaltens- und Erlebensweise vorherrscht (wie häufig bei Kriegsveteranen beobachtet)
  • Dissoziativen Identitäts-Störung: früher als Multiple Persönlichkeit: bei frühen und wiederholt-schweren Traumata können die Trennungen von Persönlichkeitsteilen innerhalb der Psyche so gravierend sein, dass die Anteile wie eigenständige Persönlichkeiten funktionieren und voneinander wenig bis nichts wissen.

"Sieh her, ich musste damals mein ICH in Einzelteile zerlegen, damit ich die schlimmen Dinge, die mir angetan wurden, aushalten kann."

"Ich musste meinen Täter in einen Bösen aufspalten, der nachts an mein Bett kam und mich missbraucht hat und einen Guten, der morgens dann scherzend mit mir beim Frühstück saß."

"Sieh her, ich mache mir lieber meine eigene Angst als die Trauma-Angst aushalten zu müssen."

Dagmar Minor-Püllen, Schotterblume e.V.[15]

Es ist möglich, dass sich der Betroffene gar nicht eines Traumas bewusst ist, weil die Funktionsweise vom Erinnerungsteil des Gehirns abgekoppelt ist. Man erkennt es aber indirekt an den Verhaltensweisen und den Beschreibungen des Erlebens.

Während der Betroffene manches-mal behauptet, alles im Griff zu haben, erleben ihn Mitmenschen häufig als Gefühls-kalt, ungerecht, unbeherrscht reizbar, unberechenbar bis aggressiv-gefährlich, nicht verlässlich, sarkastisch und ohne Lebensfreude.
Der ureigene inspirierende Lebensfunke, der sein Wesen ausmacht ist weg - weggeschlossen bis erloschen.

Hilfe in Anspruch zu nehmen wird entsprechend des Trauma-Verlaufs als unnötig empfunden und wird zumindest als Risiko erlebt, dass man Funktions-unfähig wird (was leider auch oft der Fall ist). Wer die Einzelheiten des ursprünglichen Verlaufs kennt, kann die Einzelteile jedoch in akuten Reaktionsschleifen immer zuordnen. Das erleichtert es Betroffenen und Begleitern, Distanz in einer Achterbahn zu gewinnen und ein Maß an Gelassenheit zu entwickeln, wo man unversehens zum Opfer wird.

Flashback und Trigger

Flashbacks werden Erinnerungsblitze oder -filme genannt, die durch einen Auslöser - Trigger oder Schlüsselreiz - hervorgerufen werden und einen je nach Stärke völlig aus der Bahn werfen können. Es ist als ob man in einem anderen Film wäre. Sie können sich als Körperempfindung äußern oder man ist absorbiert von einem gespenstischer Film, in dem die alte traumatische Situation vor einem abläuft.

Die Folgen von Flashbacks sind oft Gewaltphantasien - nach außen oder gegen sich selbst gerichtet (Selbstmordgedanken). Es fühlt sich an, als ob die damalige Gewalt ein Loch im Zaun hinterlassen hat und nun wie ein Echo in einem herum-geistert.
Es gehört Achtsamkeit und Konzentration dazu, die Energie nicht zu benutzen und zu verstärken um damit die Situation wieder zu beherrschen. Das entsprechende, "passende" Gefühl wäre hier eigentlich Verletzlichkeit, die aber mit überrannt wird. Trauma-Erfahrene wissen das oft einfach nicht, weil das sozusagen "auf einer anderen Festplatte liegt".

Zum Unterbrechen hilft auch immer wieder die Frage "Ist das jetzt fair meiner Seele gegenüber?": sie katapultiert einen raus aus der Erlebens-ebene hinein in die höhere umfassende Ebene, die das Ereignis, das Erleben beinhaltet.

Trigger können die vielfältigsten Dinge sein: Gerüche, Geräusche, Empfindungen wie die Nähe zu einer Vertrauensperson, der Anblick ähnlicher Situationen oder lautstarke Diskussionen, Streit. Reizüberflutung an sich kann schwer toleriert werden, zum Beispiel durch Menschenmengen in der Stadt, bei Veranstaltungen (Partys) und die Eindringlichkeit bei Filmen oder Videos.

  • Eindringlichkeit seitens eines Betroffenen: ein Warnsignal, dass er auf dem besten Wege ist, dass sich altes einmischt. Da redet vielleicht etwas mit, eine Parallel-Botschaft.
  • Eindringlichkeit und Intensität seitens einer Kontaktpersonen: ein beliebter Trigger, besonders, wenn man an den schwachen Warnsignalen des Betroffenen vorbei-galoppiert: das ist Teil des Musters "ich konnte ihn (den Täter) nicht stoppen!". Es hilft keineswegs, Über-Ich und verletzte Kind einzubringen, sondern nur sofortiges Zurücknehmen und Selbsteinsicht ausdrücken - genau das, was der Täter damals nicht gemacht hat.

Im Kontakt können sich gravierende und verstörende Missverständnisse ergeben, zum Beispiel in der Interpretation von Worten und Handlungen. Eine typische Bewältigungsstrategie ist auch das "drauf-herum-hacken": scheinbar endlose Variationen des Geschehens aufzugreifen. Hier hilft von Freunden ein spielerisch bestätigendes Aufnehmen der Energie (wie Entrüstung), das die enthaltene Energie umleitet, statt erstickt. Besonders in heftigen Fällen, auch eine klare, orientierende Ansage bezüglich der Sachlage und vermutlichen Folgen.

Aufhebung der Dissoziation

Die Aufhebung der Dissoziation wir typischerweise ausgedrückt als "wieder da, wieder zusammen". Andere erleben dies als "jetzt wieder die/der alte" oder "normal".
Eine Re-Integration ist im weiteren Therapie-Verlauf eine Art Assoziation und Vereinigung der dissoziierten Anteile. Sie ermöglicht ein ganzheitlicheres Erleben.

Zur Aufhebung einer Dissoziation ist ein Erleben von Sicherheit nötig und ein Bezug zu etwas jenseits der so einnehmenden Erfahrung. Im Laufe der oft jahrzehntelangen Auseinandersetzung mit dem eigenen Mechanismus haben die meisten Betroffenen Strategien entwickeln, die hilfreich sind. Dies sind zum Beispiel

  • vorerst Schutz vor Reizen, besonders Vielfalt und Lärm
  • vertrauens-vermittelnde Reize wie Düfte, bestimmte Musik, Warm-Wasser-Bad und sanfte Berührung
  • gezielte Kontaktaufnahme zu einer/m vertrauten Einzelperson, auch Telefonseelsorge
  • später auch gezielte Kontaktaufnahme zu einzelnen Menschen mit Gespräche, die die Aufmerksamkeit und Energie in das (andere) Thema/Realität bringen (ohne dafür nur einen Anteil zu benutzen).

Um nicht Opfer des Mechanismus zu sein, ist es wichtig, sich nach und nach wieder Lebens-Situationen auszusetzen - am besten als "Projekt" auf lockere, sportive Art und Weise, bis man mehr Freiraum "zurück-erobert" hat.

Du versuchst, dein Trauma in Alkohol zu ertränken?
Mach dir keine Hoffnung: dein Trauma kann schwimmen.

Dagmar Minor-Püllen, Schotterblume e.V.[15]

Opferhaltung und Trauma

Opfer von (Kindheits-) Missbrauch und Gewalt sind oft wie eingefroren in der Opfer-Perspektive. Beim Erwachsenen ist das Gefühl für ursprüngliche Unschuld verloren gegangen. Bestimmte Trigger lösen das Angst-Muster reflexartig immer wieder aus - als ob sie zwanghaft den erlebten Machtverlust aufzeigen wollen. Ständige Wiederholung (Re-inszenierung) des Erlebens verstärkt jedoch im Gehirn die entsprechend angstvollen Verknüpfungen, statt sie aufzulösen. Mehr dazu in Angst und Opferhaltung.

Je früher das Trauma, desto weniger ausgebildet war das Sprachzentrum: die im Körper gespeicherten Erinnerungen sind dann nur auf Gefühlsbasis zu beschreiben und nicht in Worten wiederzugeben. Situationsbedingt wiederkehrende Erkrankungen wie Asthma und Bronchitis können dann der ersatzweise, nonverbale Ausdruck der ursprünglichen Reaktion sein (psychosomatische Erscheinungen). Hier kann auch eine sanfte Körper-orientierte Therapieform helfen, das im Körper gespeicherte zu integrieren und lösen (im Sinne von "die Reaktion zuende-führen").

Professionelle Therapien

EFT (Emotional Freedom Technic) - das sogenannte "Klopfen", "Tapping" oder "Klopf-Akupressur" - kann bei Funktionsstörungen helfen. Es soll unerwünschte energetische Regelkreise unterbrechen und den Energiefluss wiederherstellen. In EFT wird davon ausgegangen, dass der Grund aller negativen Emotionen eine Störung im Energiesystem des Körpers ist.. Mehr dazu hier.

EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) ist eine anerkannte Therapie-Methode für Trauma-Behandlung: hier können einspurige Regelkreise im Gehirn mit bestimmten Augenbewegungen oder Berührungen zur Weiterverarbeitung angeregt werden. Es scheint bei dem Mechanismus eine Parallele zu den Augenbewegungen während der REM-Schlafphase zu geben, wo die Tageserlebnisse verarbeitet werden.

Trimb-Methode ist geeignet für komplex traumatisierte Menschen und bereits in der Stabilisierungsphase. Intensive Gefühle und Bindungen werden mittels Imagination, Atmung und eine lateralisierende (Kopf-)Bewegung bearbeitet.

Tier-Therapien wie die Pferdetherapie in diesem Video über das Angebot für traumatisierte deutsche Soldaten hier hilft vielen Traumatisierten, wenn sie die Motivation gefunden haben, sich aktiv aus den Mechanismen heraus-zu-bewegen. Tiere täuschen nicht so wie Menschen.
Dazu siehe auch im Artikel Pferde als Therapeuten und Tiertherapie mit Eseln hier. Man sollte allerdings nicht leichtfertig "einen Hund kaufen" für einen Betroffenen - der könnte sonst destruktiven Attacken ausgesetzt werden ohne therapeutische Begleitung und Rückhalt.

SE-Therapie (Somatic Experiencing) - eine Körpertherapie, die mit dem Ansatz der Vervollständigung der Reaktion von Peter Levine arbeitet. Sie ermöglicht, ein Trauma auch ohne Inhalt oder Erinnerung zu arbeiten, wenn das Ereignis emotional zu belastend erscheint. Mehr dazu siehe hier.

DBT- Dialektisch Behaviorale Therapie arbeitet in 5 Modulen mit Achtsamkeit, Stresstoleranz, Umgang mit Gefühlen, Zwischenmenschliche Fertigkeiten und Selbstwert. Das Skilltraining zielt auf Störungsbereiche Emotions-Regulation, Denken, Identität, Zwischenmenschliches und Verhaltensstörungen ab. DBT wurde ursprünglich für Borderline-Betroffene konzipiert, von denen circa 60 Prozent dissoziativ reagieren.

Traumata können nachweisbare Veränderungen in der Gehirnstruktur verursachen, speziell auch im Hyppocampus.[16] Studienergebnisse von Ende 2013 ergaben, dass Psilocybin, ein Stoff aus den "Magic Mushrooms", in geringer Dosis speziell bei PTBS (englisch "PTSD" - Post-traumatic Stress-Disorder) die Symptome heilen können, indem sie Gehirnzellen einer bestimmten überaktiven Region erneuerten. Mehr dazu siehe hier (engl.).

Im Forschungszweig der Gehirn-Neuroplastizität - der Formbarkeit der Gehirnfunktion - wurden ebenfalls Methoden entwickelt, um Traumareaktions-Strukturen zu entkoppeln. Dazu wurden Patienten aufgefordert, ihr traumatisches Erlebnis aufzuschreiben und dann mehrmals über Wochen zu verlesen - und zwar unter dem Einfluss eines Medikaments, das die Angst-Ausschüttung im Gehirn unterdrückt. Auf diese Weise wird die Erinnerung ins Langzeitgedächtnis verschoben ohne die unmittelbare Auslösung der ehemals überflutenden Gefühle. Mehr dazu siehe im Artikel Gehirn und in der Doku hier.

Genetischer Stempel (Epigenetik)

Der Forschungzweig Epigenetik untersucht den Einfluss von Traumata auf die Genfunktion. Man hat festgestellt, dass bei Traumata die Aktivität einiger Gene chemisch verändert ist: bestimmte Gene werden inaktiviert. Man hat zum Beispiel neugeborene Mäuse öfter von der Mutter entfernt, sodass sie später ängstlich wurden. Man fand dann vermehrt den Stoff Vasopressin, dessen Produktion normalerweise durch ein Gen reguliert und unterdrückt wird. Als man die Wirksamkeit des Vasopressins medikamentös verhinderte, verschwand auch die Ängstlichkeit.

Diese Forschungsergebnisse belegten den chemischen Hintergrund von Posttraumatischen Störungen. Neben anderen daraus entwickelten Ansätzen lag es zum Beispiel nahe, Menschen nach einem Trauma vorbeugend ein Antidepressivum zu verabreichen, um auf diese Weise einen solchen epigenetischen Stempel und den Ausbruch einer posttraumatischen Störung zu verhindern.[17] Solche genetischen Stempel, zum Beispiel aus frühkindlichen Traumata, könnten auch erklären, warum Menschen später so unterschiedlich auf eine traumatische Situation reagieren und vorbelastete Menschen schneller PTBS-Symptome entwickeln.

Interessante Studienergebnisse hierzu werden auch im dritten und vierten Teil der Doku-Reihe "Ein Gespenst in den Genen" vorgestellt, wie weit sich traumatische Ereignisse wie Hungersnöte, Holocaust-Erfahrungen und auch den der Terroranschlag vom 11.September auf die nachfolgende Generation auswirkt, besonders die zu dem Zeitpunkt ungeborenen Kinder im Mutterleib.
Das Cortisolspiegel (ein Stresshormon) im Speichel war sowohl bei der Mutter als auch beim später geborenen Kind erhöht. Der hohe Anstieg während der Schwangerschaft hatte zu einer epigenetischen Vererbung geführt, der die Stresstoleranz in der nachfolgenden Generation beeinträchtigte: die Hälfte der Kinder zeigten sogar Symptome posttraumatischer Störungen, obwohl sie selbst keine Traumata erlebt hatten.

Pseudo-Erinnerungen

In der WDR-Dokumentation vom 9.10.14 "Ein Missbrauch, den es nie gab" berichtet eine Betroffene, wie sie zu Erinnerungen gekommen ist, die sich im Nachhinein als fälschlich herausstellten. Neben den gravierenden Folgen für die Familienmitglieder wird auch beschrieben, wie es zu gefälschten Erinnerungen gekommen ist:

  • Ein besonderes Risiko besteht besonders, wenn nach Erinnerungen aktiv und gezielt gesucht wird, ohne dass Eigenerinnerung spontan präsent sind. Das Gehirn ist in der Lage, zu Gefühlen von Missbrauch Assoziationen herzustellen und mit den echten Erinnerungen so zu vermischen, dass sie glaubwürdig wahrscheinlich sind (ab 11. min).
  • Geschieht das in einer (unprofessionellen) Umgebung, bei einem voreingenommenen Therapeuten oder einer Gruppe, die das Thema besonders thematisiert, kann sich eine (Gruppen-) Dynamik entwickeln, die die Produktion von Erinnerungen fördert. Verdächtig ist, dass die vorher so präsenten Erinnerungen verblassen, wenn der Rahmen plötzliche wegfällt - und sich die Frage aufdrängt, ob das tatsächlich so wahr war wie es erschien.
  • Echte verdrängte Erinnerungen werden eher spontan von Auslösern aktiviert als gezielt gesucht.[18] In der Dokumentation berichtete die Betroffene, wie sie durch eine Lebensberaterin zu der Thematik gekommen war und sich plötzlich zwei Drittel der Gruppenmitglieder an sexuellen Missbrauch in der Kindheit erinnerten - die Erinnerungen waren erst zum Thema entwickelt worden, ohne dass ein Auslöser einen Flashback hervorgerufen hatten.
  • Aus dem Interview mit der Betroffenen geht hervor, dass starke innere Konflikte entstehen können bezüglich der Zweifel an den eigenen Gefühlen und Erinnerungen, die oft Suizid-Gedanken zur Folge haben. Wenn ein professioneller Therapeut behilflich ist, die Erinnerungen zu sortieren, dann kommt irgendwann der Punkt, dass man sich den Folgen stellen muss, die man auf der Basis falscher Erinnerungen verursacht hat - von falschen Beschuldigungen bishin zu Gerichtsprozessen gegen die Eltern.

Grundsätzlich ist es bei aufgedeckten Traumata mit sexuellem Missbrauch sinnvoll, die als verschüttet bezeichneten Erinnerungen nicht gleich als Tatsachen mit entsprechenden Konsequenzen zu betrachten. Dies gilt besonders, wenn man schon Mühe hat, seiner Wahrnehmung zu trauen. Egal, aus welcher Schicht des Unterbewusstseins oder anderen Dimensionen das einfließt - die Dynamik ist real, auch wenn die Geschehnisse selbst nicht unbedingt tatsächlich vorgefallen sind.
Es ist besser, solche fraglichen Erinnerungen ganz einfach als Elemente betrachten, die in der Psyche aktiv sind und eine Wirkung haben. Dann kann man die reine Dynamik des Musters in sich bearbeiten, ohne sich in einen Kampf mit dem Wahrheitsgehalt von Erinnerungen und der eigenen Wahrnehmung zu begeben.

Diese Vorgehensweise hilft, bei sich zu bleiben ohne sich der Gefahr auszusetzen, möglicherweise irreparable Beziehungs-Schäden anzurichten mit Beschuldigungen, die man später vielleicht zurückziehen muss - mit all den damit verbundenen Scham und Schuld-Gefühle, die bei einer Richtigstellung aufkommen.

Themen auf dem Trauma-Kongress

Tamara Enhubers Zusammenfassung des Trauma-Kongresses 2012 - "Über-wunden - Trauma, Genesung und Spiritualität" - enthält in Vorträgen von spirituellen Lehrern und Psychologen viele interessante Ausführungen:

  • "Scham: Hüterin der Würde des Menschen" von Stephan Marks
  • "'Dein Tod verwundet mich.' - Die Arbeit mit traumatischen Verlusten - Die Zusammenwirkung von Trauma und Trauer" von Roland Kachler
  • "Spirituelle Orte der Heilung" von Pater Anselm Grün
  • "Trauma und Spiritualität – Wenn der Lebenssinn erschüttert ist" von Karl-Klaus Mader
  • "Aufstehen und heilen – und wer hilft mir dabei? Aspekte einer aus Exerzitien gewachsenen Spiritualität" von Elke Rüegger-Haller
  • "Vom 'Trauma' zum befreiten Leben" von Gunther Schmidt
  • "Das verzauberte Reh und die Quantenphysik – Wie soziokulturelle Aspekte in der Traumatherapie sensibel genutzt werden können" von Hildegard Fuhrbergs
  • "Wie wirkt sich Gewalt in der Seele aus ... und wie können seelische Wunden überwunden werden?" von Hunter Beaumont"
  • "Die Kunst der Vergebung" von Michael Tischinger

Weiterführendes

Artikel

Literatur

Videos

Filme

  • Die Legende von Bagger Vance* - mit Will Smith und Matt Damon, erzählt bewegend den Weg eines Golfmeisters aus der Kriegs-Trauma-Prägung seines Lebens. Bleistift.png

Weblinks

  • amenclinics.com - Dr. Daniel Amen mit SPECT-Gehirnscans. Diese ermöglichen ihm eine differenzierte, zielgerichtete Behandlung bei Verhaltensauffälligkeiten wie auch ADHS, PTSD (versus medikamentösem Blindschuss psychiatrischer Diagnosen). Englisch Bleistift.png
  • be-here-now.eu - eine Informative Website nicht nur für Flüchtlingshelfer, mit Tipps zum Umgang mit Trauma. Von Therapeuten des Instituts Berlin. Bleistift.png
  • blumenwiesen.org - Informationen zu Traumafolge- und Persönlichkeitsstörungen wie Posttraumatische Belastungsstörung, Dissoziative Identitätsstörung und Borderline-Persönlichkeitsstörung. Netzwerk für Betroffene und Therapeuten; Dialektisch-Behavorale Therapie(DBT) Bleistift.png
  • schotterblume.de - Verein für Betroffene seelischer, körperlicher und sexualisierter Gewalt in der Kindheit - mit vielen Infos und Angeboten Bleistift.png
  • traumaheilung.de - Dami Charf (SEI - Somatische Emotionale Integration) gibt viel Fachwissen weiter in Blog und als Literatur. Bleistift.png

 (Hilfe)

Autoren

Heike W. (68) und Stefan (2)  Jeder Autor hat seine eigenen Passagen zu diesem Artikel beigesteuert. Deshalb muss nicht jeder Autor alle Passagen des Artikels unterstützen.
Zahl in Klammern = Anzahl der Artikel-Bearbeitungen dieses Autors. Eine hohe Anzahl bedeutet nicht zwangsweise, dass dieser Autor auch viel Inhalt zum Artikel beigesteuert hat.

Einzelnachweise

  1. siehe Artikel "Struktur der Psyche" hier
  2. auf dem Trauma-Kongress 2012 zum Thema "Wie wirkt sich Gewalt in der Seele aus", S. 8ff
  3. Traumakongress 2012, Trauma - Genesung - Spiritualität S. 2 und mehr auf S. 5
  4. "Die Legende von Bagger Vance", im Ausschnitt hier.
  5. "Shock puts you into what you really are without any reference to your past and without reference to memory." (Übersetzung von Heike W.
  6. 6,0 6,1 Zitate von von einer privaten Zitat-Sammlung der Community (nicht offiziell authorisiert von Oasis)
  7. "A wounding to the self in trauma engages that direct knowledge and draws it right in to the wounding. It doesn't heal the wound - it answers the wounding." (Übersetzung von Heike W.)
  8. "When a child is first abused, it is not a victim, because a child first is not a person or a self – it is a Being. The awareness that is in a child, is the awareness of a Being. Therapy can be a way of experiencing it, as a self and as a victim. It will register as a trauma only at the levels that can be traumatized. To the Being, it doesn’t relate." Übersetzt von Heike W., aus "Micro-choices within Trauma" hier.
  9. "Trauma can shut down certain levels. But the level where a baby or a child comes from, even though real damage can occur in some levels, it does not have to stop its development, if coming from awareness – awareness in a baby that does not close its micro-choices in a trauma." Übersetzt von Heike W., aus "Micro-choices within Trauma" hier.
  10. Konzepte-vergleichender Gedankengang von Heike W.
  11. Begründer des umstrittenen Avatar-Kurses und ehemaliger Scientologe
  12. aus dem Interview "Was ist Bewusstsein eigentlich?", Scobel-Sendung "Das Unbewusste - Wie bewusst ist uns das Unbewusste?" vom 2.10.14
  13. Heike W.: in Anlehnung an einen Satz von Bert Hellinger in anderem Zusammenhang
  14. in Anlehnung an den Begriff und Mechanismus von "Micro-choices (within Trauma)" von John de Ruiter, siehe sein Zitat unten
  15. 15,0 15,1 bei der Fachtagung des Landesverbandes der Psychiatrie-Erfahrenen (LVPE) 2007 in Mayen: Psychosomatische Botschaften übersetzt.
  16. Studie mit PTSD-spezifischen Störungen
  17. Interview mit Prof.Florian Holsboer "Traumata verursachen Narben am Erbgut" aus der Sendereihe Planet-Wissen
  18. "Ein Missbrauch den es nie gab" Prof. Dr. R.Volbert, Expertin für Aussage-Psychologie, ab ca. 24.min)
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