Glück möchte jeder haben. Und jeder möchte glücklich sein. Wie praktisch ist es da, dass Glück eine unendliche Ressource ist, die weder umständlich ausgegraben, gewonnen, erzeugt oder gekauft werden muss.

Glück ist … einfach da. Wie die Sonne, wie der Baum im Park oder der Regen. Wenn aber das Glück überall ist, warum streben dann so viele Menschen nach Glück? Liegt es daran, dass die Definition so unterschiedlich ausfällt, dass jeder Glück anders beschreibt und empfindet? Oder liegt es daran, dass viele Menschen so sehr damit beschäftigt sind, Wege zum Glücklichsein zu finden, dass sie das Glück nicht erkennen, wenn es ihnen nackt und Trompete spielend ins Gesicht springt? Dieser Beitrag begibt sich mal auf die Spuren und sieht sich das Thema genauer an.

Wovon hängt unser Glück ab?

Wie kann es sein, dass bitterarme Menschen glücklich sind? Dass Mönche oder Einsiedler, die nahezu komplett ohne moderne Technik oder Behausungen auskommen, davon reden, glücklich zu sein? Viele Menschen sind der festen Überzeugung, nur glücklich zu sein, wenn sie ihre Bedürfnisse im vollen Umfang erfüllen – und meinen damit Geld und die Dinge, die mit Geld erworben werden können. Dass an dieser Überzeugung nicht alles richtig sein kann, sieht man schon daran, wie viele Reiche eigentlich zutiefst unglücklich sind. Glücklichsein hat also andere Gründe:

  • Achtsamkeit – es mag esoterisch klingen, doch ist die Achtsamkeit der erste Schritt auf dem Weg zum Glücksgefühl. Warum? Man muss sich erst mal darüber bewusst sein, was man hat und was einen umgibt, um Glück wertschätzen zu können. Wer die warmen Sonnenstrahlen auf der Haut im Frühjahr nicht wahrnimmt, wird auch das flackernde Kaminfeuer im kalten Winter nicht wertschätzen können.
  • Entwicklung – zum Glücklichsein gehört auch eine persönliche Entwicklung. Wer stets auf einer Stufe stehen bleibt, wird unwillkürlich von Langeweile und Tristesse eingeholt.
  • Ziele – das Leben ist eine Challenge. Aber nicht so, wie es manche Überperformer und Streber sehen, sondern auf einem natürlichen, fast kindlichen Level. Kinder haben ihre Ziele: Krabbeln lernen, Stehen lernen, später die ersten Schritte. Danach das Dreiradfahren, das erste Mal auf einem Fahrrad. Auch Erwachsene benötigen Ziele, um glücklich zu sein. Hier kommt aber die Gefahr, die heute viele Menschen mit Zielen in Verbindung bringen: Überperformen und Druck. Die sich selbst gesetzten Ziele müssen erreichbar sein und kleine Schritte erlauben.
  • Belohnung – glücklich zu sein hängt auch mit Belohnungen zusammen. Warum soll das Erreichen eines Ziels immer nur abgehakt werden? Wer sich belohnt, wenn ein Teilziel erreicht wurde und dieses Gefühl wirklich wahrnimmt, wird glücklicher.
  • Veränderte Wertschätzung – das Grundgesetz sagt es und so viele Menschen verstoßen täglich sich selbst gegenüber gegen den Leitsatz. »Die Würde des Menschen ist unantastbar.« Wer glücklich sein möchte, muss sich selbst wertschätzen und seinen Selbstwert nicht über irgendwelche Ziele, Erfolge oder Statussymbole definieren. Wer anders handelt, verstößt vom Aufstehen bis zum Schlafengehen gegen die Menschenwürde – gegen sich selbst.

Es gibt natürlich noch zig andere Gründe, von denen das Glück abhängt. Der Wichtigste ist jedoch, erst mal zuzulassen, glücklich zu sein. Das ist allerdings auch die schwierigste Aufgabe.

Was sagt die Philosophie dazu?

Seit dem Altertum haben sich Wissenschaftler, Geistliche und Philosophen darüber Gedanken gemacht, was Glück ist und was es braucht, um glücklich zu sein. Je nach Epoche und Kultur kommen andere Weisheiten zum Glück heraus:

  • Aristoteles – er bezeichnete das Glück als das maximale Streben eines menschlichen Wesens. Er beschreibt eher den Lebensstil, denn die Glückseligkeit liegt für ihn auch in den Tugenden verborgen und kann nur entlockt werden, wenn jeder seine Fähigkeiten auslebt.
  • Epik – dieser griechische Philosoph wäre mit Aristoteles nie übereingekommen, meinte er doch: »Nichts ist gut genug für jemanden, für den das Nötigste wenig ist.« Enthaltsamkeit und Gleichgewicht bestimmten für ihn die Glückseligkeit.
  • Nietzsche – Nietzsche stand dem Glück generell kritisch gegenüber, da er der Auffassung war, dass es sich dabei nur um einen vorübergehenden Zustand handelt, der nur unter günstigen Bedingungen auftritt. Auch Geld würde daran nichts ändern. Wahres Glück sei demnach nur möglich, wenn man es schafft, dem Schicksal zu trotzen und sein Leben selbst in die Hand zu nehmen.
  • Slavoj Zizek – das Glück ist abhängig von der eigenen Auffassung und nicht von der Wahrheit. Mit diesen Worten brachte er gleich eine Kapitalismuskritik an, denn seiner Auffassung nach würden viele Menschen ihre Glückseligkeit durch den Konsum erkaufen.

Jeder der genannten Philosophen hat wohl recht, doch sprach Zizek das aus, was viele Menschen tatsächlich versuchen. Wie oft wird die eigene Unzufriedenheit durch einen Kauf gestillt, ohne wahrlich etwas an dem Übel zu beseitigen?

Konkrete Tipps für den Alltag

Und wie lässt sich nun das eigene Glücksgefühl erlangen oder verbessern? Im Alltag gibt es durchaus einige Möglichkeiten, die helfen:

  • Innehalten – zwischendurch sollte jeder einmal innehalten und wahrnehmen, was mit ihm und der Umgebung geschieht. Durch die geänderte Wahrnehmung, das Bemerken von Details und der eigenen Ruhe steigert sich das Glücksgefühl automatisch.
  • Kleine Schritte – Ziele sind wichtig, aber sie sollten immer in Zwischenschritte unterbrochen werden. Der Grund: Anstatt eine lange Zeit zu kämpfen, das Ziel zu erreichen, kommen die Erfolgserlebnisse beständig.
  • Keine Vergleiche – diese ständigen Vergleiche mit anderen Personen müssen enden. Sofort, denn sie sind die Antithese des Glücks und die Saat der Gier. Wer sich ständig mit anderen vergleicht und den eigenen Wert an deren Erfolgen, deren Hab und Gut, deren Vermögen bemisst, wird einfach nur unglücklich. Und ehrlich: Warum sollen die eigene Wertschätzung und die Zufriedenheit darunter leiden, dass der Nachbar volleres Haar hat?
  • Notizen – Menschen neigen dazu, schlechte Phasen länger in Erinnerung zu behalten, als gute. Ein Weg zum Glücklichsein ist, sich jeden Abend hinzusetzen und kurz zu notieren, was am Tag gut gelaufen ist, was Freude bereitet hat, warum man glücklich war. Aber Vorsicht: Es werden nur die positiven Dinge notiert.

 

Glücklich sein hängt auch immer mit dem eigenen Standpunkt zusammen.

Fazit – Glücklichsein erfordert umdenken

Um Glück zu erleben, braucht es nicht viel. Glücklich sein kann jeder, es muss nur ein Umdenken stattfinden. Wer es versuchen will, der sollte sich einfach mal auf die positiven Dinge konzentrieren und die negativen Facetten ganz schnell vergessen.

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