Plastik

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Plastik
Plastikmüll ist zu einem allgegenwärtigen Strandgut geworden

Plastik ist zu einem festen Bestandteil unseres Lebens geworden. Auch wenn es viele Vorteile mit sich bringt, besteht doch ein schwerwiegender Nachteil: Plastik zerfällt nur sehr langsam und lagert sich an den verschiedensten Stellen ab. Dieser Artikel zeigt, welche Folgen dies hat und welche Alternativen es zu Plastik gibt.

Der Begriff "Plastik" wird hier im Wesentlichen für den herkömmlichen mineralöl-basierten Kunststoff verwendet im Gegensatz zu den "neuartigen Biokunststoffen".

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1 Zahlen zu Plastik

  • Stand 2020 konnte der Einzelhandel seit 2015 die Herausgabe von Plastiktüten um 70 Prozent reduzieren. Einer Studie der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung zufolge sollen 2019 bundesweit rund 1,7 Milliarden Kunststofftragetaschen an der Kasse ausgegeben worden sein. Das entspricht einem Verbrauch von 21 Tragetaschen pro Einwohner in Deutschland.[1]
  • Eine Plastiktüte wird im Durchschnitt nur 25 Minuten lang genutzt.[2]
  • Bis mineralöl-basiertes Plastik zerfällt, dauert es 450[3] bis 500 Jahre. Biologisch abbaubarer, kompostierbarer Biokunststoff braucht dagegen nur wenige Monate.
  • Zwischen der Adria und der Riviera treibt ein Kunststoff-Teppich aus 250 Milliarden Teilchen, der über 500 Tonnen wiegt.[3] Man errechnete, dass die Entsorgung davon mehrere Jahrzehnte benötigte und Unsummen von Geld verschlingen würde (bis der Niederländer Boyan Slat mit seiner Erfindung The Ocean Cleanup das Gegenteil bewies und mit Hilfe einer populären Crowdfunding-Aktion mit der Durchführung starten konnte).

2 Herstellung

Herkömmliches Plastik wird aus Erdöl gewonnen. Erdöl ist wiederum ein fossiler Energieträger, also ein Energieträger der im menschlichen Maßstab gesehen nicht nachwächst.

Es gibt einfache bis klein-industrielle technische Anlagen, die Plastik wieder in Öl zurück wandeln können oder auch in andere Produkte recyceln können. Ein Beispiel für die Rückgewinnung von Heizöl und Diesel aus Plastikabfällen, die zu aufwändig zum sortenreinen Sortieren sind, ist die Schweizer Firma Plastoil, die 2015 bei Dresden ein Werk fertigstellen will.[4] Aus 1 Kilo Plastik könne 1 Liter Heizöl gewonnen werden, bei 27 Cent Produktionskosten - also durchaus wirtschaftlich.

3 Abbau

Plastik ist kaum biologisch abbaubar. Der Verrottungsprozess dauert zu lange, um das Problem "Plastikmüll" für die Zukunft der Erde ignorieren zu können.

Die Forscherin Federica Bertocchini entdeckte durch Zufall eine Raupe, die Plastik frisst: Nachdem die Forscherin und Hobby-Imkerin die Raupen der Wachsmotte von ihren Bienenstöcken abgesammelt und in einer Plastiktüte verwahrt hatte, hatten die Larven nach einer Weile die Tüte durchlöchert. Hier ist jetzt die Forschung aufgenommen worden, das Enzym zu isolieren, welches das Kunststoff Polyethylen (PE) zersetzt.[5]

4 Plastik-Verbote

Frankreich hat als erstes europäisches Land 2014 Weichmacher (Bisphenol A) in Plastik verboten. Seit 2016 sind in Frankreich auch Einweg-Plastiktüten verboten - mit Ausnahme von kompostierbaren und biobasierten Tüten. Einweg-Plastikgeschirr soll 2020 folgen.[6]

Bali hat als erstes indonesisches Land ab Juli 2019 ein Verbot für Einweg-Plastikartikeln erlassen.[7]

Südkorea hat laut Greenpeace[8] seit Juli 2017 Mikroplastik in Kosmetik gesetzlich verboten.

Bereits 1997 wurden im indischen Bundesstaat Sikkim nicht-organisch-abbaubare Materialien wie Plastiktüten verboten.[9]

In Tansania und Ruanda sind Plastiktüten schon seit 2005 verboten. Ebenso haben Kamerun, Uganda, Äthiopien und Anfang 2017 auch Kenia einen Plastiktüten-Bann verhängt.[10]

San Francisco schaffte als erste amerikanische Stadt 2007 Plastiktüten in den Supermärkten ab, Hawaii und New York folgten kürzlich mit Restaurant-Plastik und Essens-Behältern.[11] Viele andere Großstädte weltweit folgten schon, siehe diese Liste auf netzfrauen.org aus dem Jahr 2014.

Freiwillige Aktionen in Deutschland:

  • In Billerbeck bei Münster/Westfalen konnte ein Jahr nach der Aktion Unplastic Billerbeck Bilanz gezogen werden: Im September 2015 wurden die letzten Plastiktüten "zu Grabe getragen". Mit Hilfe von interessanten und spektakulären Aktionen in Zusammenarbeit mit dem Münsteraner Künstler Nufer hofften die Akteure, den Verbrauch um wenigstens 30 Prozent zu reduzieren. Tatsächlich wurden 60 Prozent erreicht. [12]
  • Die Städte des Kreis Steinfurt haben sich vorgenommen plastiktüten-frei werden.

5 Warum ist Plastik so problematisch?

Plastik
Der Export des deutschen Plastikmülls macht auch in den Importländern Probleme

Die Industrie hat eine unerschöpfliche Vielfalt von Verwendungsmöglichkeiten für Plastik entdeckt, um immer neue Produkte angenehm und gut (ver-)käuflich zu gestalten.

Mittlerweile ist sehr viel in Plastik verpackt beziehungsweise enthält (Mikro)Plastik - auch bei Produkten, bei denen es nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist.

Die Menschheit hat Stand Januar 2018 circa 8 Milliarden Tonnen Plastik verbraucht und die Tendenz ist nach wie vor steigend[13].

Dieser hohe Verbrauch ist aus folgenden Gründen problematisch:

  1. Plastik hat einen enorm hohen Ressourcenverbrauch.[13]
  2. Plastik braucht je nach Kunststoffart mehrere 100 Jahre, um sich vollständig abzubauen.[13]

5.1 Weichmacher - Probleme für Menschen

Weichmacher werden gern im Plastik bei Spielzeug, Gebrauchsgegenständen und für Verpackungen verwendet, zum Beispiel bei Einwickelfolien für Fleisch/Wurst/Gemüse, Einweg-Behältern zum Abpacken und bei dünnen Kunststoff-Getränkeflaschen.

Ein Teil der kritischen Chemikalien dringt in Verpackungsinhalte ein und wird dann mit verzehrt. Manche gesundheitsschädliche Wirkung entfaltet sich auch erst im Zusammenspiel mit dem dazukommenden Sauerstoff, wenn zum Beispiel eine Cola-light oder Cola-Zero-Flasche geöffnet wird und erst nach und nach ausgetrunken wird. Ausführlicheres zu Weichmachern findest du auf der Seite weichmacher.de.

Wirkungen im menschlichen Körper sind zum Beispiel:

  • Negative Auswirkung auf die Lernfähigkeit (Gehirn). Man vermutet inzwischen auch Zusammenhänge bei Demenzerkrankungen wie Alzheimer, die epigenetisch vererbbar sind.
  • Die hormonähnliche Wirkung ist auch an Übergewicht und Diabetes beteiligt, wie die Ergebnisse von 240 Studien nahe legten. Das bei PVC häufig verarbeitete Bisphenol A ist ein künstliches Hormon, das zwar selbst nicht giftig ist, aber an Östrogen andockt, welches dann Gene fälschlich aktiviert (epigenetische Wirkung). Auf diese Weise verursacht Bisphenol A Veränderungen - besonders bezüglich der Sexualfunktionen - die auch vererbbar sind.[14]
    • Am bekanntesten ist die negative Auswirkung auf die Beweglichkeit von Spermien bei Jungen, was dann zu verminderter Zeugungsfähigkeit und Impotenz führt.
    • Bei Mädchen setzt die Geschlechtsreife (Pubertät) wesentlich früher ein. Dieser Zeitpunkt entspricht nicht nicht der geistigen Reife.
  • Die östrogenähnliche Wirkung fördert die Entstehung von hormonabhängigen Krebsarten wie Brust- und Prostatakrebs.
  • Die nicht verstoffwechselbaren Ablagerungen und der aus der Balance geratene Hormonstoffwechsel führen zu unterschwelligen Entzündungen und fördern die Entstehung von Autoimmunerkrankungen.

Der unfreiwillige "Konsum" von Weichmachern beginnt bereits im Babyalter durch das in-den-Mund-nehmen von ungeprüftem Spielzeug (besonders oft Billigimporte aus Fernost) und Plastik-Trinkfläschchen. Als Ersatzstoff für Babyfläschchen und Trinkflaschen ist Stand 2015 BPA-freies Tritan im Angebot[15].

In Spielzeug kann man heutzutage schon weitestgehend auf Weichmacher verzichten - wie weit die Import-Hersteller das auch tun, kann man allerdings schlecht beurteilen. Um sicher zu gehen, kann man beim Kauf auf die Bezeichnung "PVC-frei" achten: 80 bis 90 Prozent aller Weichmacher werden nämlich dem spröden PVC beigemischt um Weich-PVC daraus zu machen.

5.2 Probleme für Natur und Umwelt

Plastik und Mikroplastik gelangen über Flüsse ins Meer. In den Weltmeeren haben sich bereits 5 gigantische Müllstrudel voller Plastik gebildet. Wissenschaftler sagen, dass der Aufwand zur Entsorgung dieser Massen unbezahlbar sei. Gleichzeitig kommen aber Erfinder von einfachen, gut bezahlbaren Techniken zum Einfangen von Plastik aus dem Meer oder der Rückwandlung von Plastik in Öl nicht voran das Problem anzugehen.

Ein weiteres Problem: Durch das Zersetzen wird das Plastik immer kleiner und kleiner und kann von anderen Organismen wie Tieren und Pflanzen aufgenommen werden (die das Plastik mit echter Nahrung verwechseln). Dadurch landen die Schadstoffe wiederum in der Nahrungskette und in letzter Instanz damit auch beim Menschen.

5.2.1 Probleme für Tiere

Die Fische halten das Plastik für Nahrung und fressen es. Auch Vögel - insbesondere Seevögel - fressen das Plastik, weil sie es nicht immer von Nahrung unterscheiden können. Der Magen der Vögel und Fische ist dann voller unverdaulicher Plastikpartikel, sodass keine Nahrung mehr reinpasst. Die Folge ist, dass die Vögel und Fische trotz vollem Magen elend verhungern.

So wie im Juni 2018 ein Wal mit 80 Plastiktüten im Magen verendete,[16] geht es vielen Tieren. Auch in Deutschland verendeten 2 Pottwale Ende Januar 2018 an einem Nordseestrand. Die Bäuche waren voll mit Plastikmüll, sogar einem 70cm-langem Autoplastikteil, das er für einen Tintenfisch gehalten haben mag.[17]

5.2.2 Mikroplastik in der Nahrungskette

Das Mikroplastik gelangt über verschiedene Wege in unsere Nahrungskette:

In der Kosmetikindustrie wird Mikroplastik als Filmbildner oder Füllstoff, aber auch in flüssiger Form zum Beispiel als Bindemittel verwendet. Mikroplastik wird auch als haut- und zahnschmelzfreundliches Schleifmittel in Duschgels, Peelings und Zahnpasta eingesetzt.

Feinste Plastikteilchen gelangen so über Haut und Aufnahme in den Körper. Der Rest gelangt ins Abwasser und taucht über die Verwendung von Grund- und Trinkwasser in der Produktionskette wieder in Nahrungsmitteln wie Bier, Milch und Honig auf. Die Partikel werden vom Körper oftmals nicht erkannt und ausgeschieden und können sich dann im Gewebe von Tier und Mensch ablagern. Von dort verursachen sie dann Gesundheitsprobleme.

Beispiele, wie das Mikroplastik in unsere Nahrungskette gelangt:[18]

  • Gesunde Pollen erhöhen den Wert von Honig; also nimmt man grobmaschigere Siebe - die allerdings auch Plastikpartikel aus der Umwelt durchlassen, die von den Bienen herangetragen werden.
  • Aus der Wäsche von Fleece-Pullovern gelangen eine Menge Plastikfasern ins Abwasser und in die Kläranlagen, wo sie nicht immer herausgefiltert werden.
  • Die in Zahnpasta und Duschgel beigesetzten Partikel gelangen in die Kanalisation. Aufgrund seiner geringen Größe kann das Mikroplastik in Kläranlagen nicht ausgefiltert werden und gelangt in die Gewässer und somit in unsere Nahrungskette. Zusätzlich können sich sich Schadstoffe aus dem Wasser an der Oberfläche des Mikroplastiks anlagern.
  • Aus dem Wasser werden die Partikel von Tieren aufgenommen und gelangen über Fisch, Meeresfrüchte und aus Wasser hergestellten Getränke in den menschlichen Körper.
  • Ebenso nehmen die Leitungswasser-getränkten Nutztiere die nicht herausgefilterten Plastikteile auf, wo es später im Fleisch auf unseren Tellern landet. Im Körper werden dann auch die angelagerten Schadstoffe wieder frei.

Der BUND für Umwelt und Naturschutz hatte 2014 eine Liste von Kosmetikartikeln herausgebracht, in denen Mikroplastik-Arten verwendet werden. Einige Hersteller haben bereits angekündigt, zukünftig auf die Verwendung zu verzichten, wie im WDR-Beitrag vom 7.10.14 "Mogelpackung: Mikroplastik in der Kosmetik" gemeldet wurde. Einige Bier- und Mineralwassersorten waren im NDR-Beitrag Markt vom 2.6.14 "Mikroplastik in Mineralwasser und Bier" zu sehen.

In USA haben immer mehr Staaten ein Verbot von Mikro-Plastik-Partikeln gesetzlich verankert, im Mai 2015 auch Californien wie die Website Thinkprogress.org unter in ihrem Artikel aus dem Jahr 2015 Tiny Plastic Microbeads Are Being Banned In States Across The Country For ‘Causing Mega-Problems’ berichtet.

5.3 It's a plastic world

In diesem toll gemachten Video (von 2014) erfährst du innerhalb von knapp 5 Minuten

  • warum Plastik(Müll) so gefährlich ist
  • und was wir tun können um Plastik(Müll) zu vermeiden

5.4 Die Recycling-Lüge

In den 90ern wurde die Idee des Plastik-Recycling geboren und mit dem Dual-System "Grüner Punkt" umgesetzt. 25 Jahre später war das Resumee niederschmetternd wie die ARD-Dokumentation "Die Recycling-Lüge" zeigt: Letztlich rentabel wieder verwerten lassen sich nur wenige und saubere Kunststoffsorten.

Alles andere wurde jahrzehntelang zur preisgünstigen Entsorgung nach China verschifft, bis die Regierung der Industrieländern Einhalt gebot. Daraufhin wurden andere asiatische Länder wie Indonesien, Malaysia rekrutiert, deren Inseln langsam in Müll versanken oder hinter Touristenorten auf Mülldeponien verbrannten. Als auch diese die Annahme begrenzten, wurde das Müllproblem von der türkischen Mafia entdeckt, die Containerweise den westlichen Gelbe-Sack-Müll annahm und in illegalen Deponien bei abgelegenen Dörfern entsorgte und/oder verbrannte. Nachdem die Türkei die Korruption eindämmte, nur noch bestimmte saubere Plastiksorten annahm, zolltechnisch die Container streng überprüfte und den Müll-Maklern mit Lizenz-Entzug drohten, traten vor kurzem osteuropäische Länder wie Bulgarien in die Fußstapfen.

In Deutschland wird 80% des nicht-verwertbaren Gelbe-Sack-Mülls gehäckselt und gegen Bezahlung von Zementwerken zur Energiegewinnung entsorgt - durch CO2-produzierende Verbrennung.

Die englische Firma TerraCycle expandierte mit dem Angebot, dass Freiwillige sauber getrennte Plastiksorten an sie schicken konnten, wo sie in Großbritannien weiterverarbeitet, recycelt werden würden. Die großen Firmen-Konglomerate konnten nun damit werben, dass "ihre Verpackungen recycelbar sind" - auch wenn es nur ein geringer Anteil war und Reste in Verbrennungsdeponien in Bulgarien gefunden wurden. Gleichzeitig geben die Plastik-Hersteller an, dass die Produktion von Plastik weiter steigt - was dem Recycling-Konzept auch gegenläufig ist.

Diese Ergebnisse nach 30 Jahren Bemühungen sind niederschmetternd für jeden, der sich für Plastikmülltrennung und -Recycling als ein sinnvolles System engagiert hat. Ebenso für jeden, der bereit ist, Einschränkungen in seinem persönlichen Alltag hinzunehmen (wie erzwungene Tempolimits) in dem Wissen, wie viel mehr CO2 von Fabriken produziert oder in Form von Zertifikaten gekauft wird. Die privaten Bemühungen scheinen wie ein Tropfen auf dem heißen Stein und die Probleme nur außer Sichtweite verschoben. So ist der EU-Zuständige in der ARD-Dokumentation zu dem Schluss gekommen, dass die breite Öffentlichkeit einsehen müsse, dass das Konzept Plastik-Recycling und Downcycling versagt habe - es ginge nicht anders als den Plastikgebrauch zu begrenzen, sicherlich auch mit Hilfe der Politik.

6 Tipps um Plastik zu reduzieren

Ein Leben komplett ohne Plastik gestaltet sich im normalen Alltag sehr schwierig. Dennoch kann jeder dazu beitragen, die Unmengen an Plastik zu reduzieren, indem folgende Tipps beachtet werden, die sich gut in den Alltag integrieren lassen:[13]

  • lieber frisches Obst und Gemüse vom Wochenmarkt statt Eingeschweißtes aus dem Supermarkt kaufen
  • nicht ständig neue Klamotten kaufen (die oft synthetische Stoffe enthalten)
  • Auf dem Wochenmarkt verpacken einem die Verkäufer frische Wurst und Käse gerne in eine mitgebrachte Box, im Supermarkt gestaltet sich das allerdings eher problematisch.
  • Mit einigen gesammelten Kastanien lässt sich ganz leicht eine Seifenlauge zum Waschen herstellen, indem pro Waschgang 10 Kastanien in Wasser eingelegt werden. Dies erspart die Anschaffung von Waschmittel, das immer in Plastik verpackt ist.

Nicht jeder Tipp ist für jeden geeignet, dennoch sollte es für jeden machbar sein, zumindest einige der Tipps in den Alltag zu integrieren. Somit leistet man einen Beitrag dazu weniger Plastikmüll zu produzieren.

6.1 Unverpackt-Läden

In sogenannten Unverpackt-Läden kann man Lebensmittel einkaufen, die ohne Plastikverpackung auskommen. Man bringt seine eigenen Behälter in den Laden mit, füllt sich die benötigte Menge darin ab und zahlt nach Gewicht.

Stand Juli 2021 gibt es rund 190 Unverpackt Läden in Deutschland, Schweiz und Österreich. Wo sie genau sind, siehst du auf du auf dieser Googlemaps-Karte.

6.2 Neuartige Biokunststoffe

Es wird versucht, Verpackungen aus plastik-ähnliche, doch biologisch abbaubar Materialien oder aus anderen Substanzen als Erdöl herzustellen. Dabei wird meist angestrebt, das Cradle to cradle-Prinzip von einem endlosen Nutzungskreislauf umzusetzen und Entsorgung zu vermeiden oder verstärkt Abfall- oder Nebenprodukte zu verwerten.

Statt auf Reduktion durch Verbote oder Kostenpflichtigkeit von Plastiktüten zu setzen, setzen Firmenketten auch auf Biokunststoffe - wobei allerdings der Entsorgungsfaktor bestehen bleibt.

Leider ist im Alltagsgebrauch optisch kaum zu unterscheiden, ob das verwendete Plastikmaterial aus mineralölbasiertem Plastik oder aus Bio-Kunststoff besteht. Das macht es schwer, Bio-Kunststoff-Verwendung gezielt zu fördern und nicht alle Folien und Behälter gleichermaßen zu vermeiden. Zudem hilft es dem ökologischen Gleichgewicht nicht, wenn riesige Waldflächen dazu gerodet oder verwendet werden, um neben dem Futtermittel für die Fleischproduktion oder dem boomenden Palmölanbau nun auch noch Kunststoffe zu produzieren.

Bei Biokunststoffen unterscheidet man zwischen

  • Bioplastik, bestehend aus erneuerbaren Rohmaterialien - dazu gehören zum Beispiel
    • PLA: Polymilchsäuren werden von Bakterien aus Milchprodukten produziert und sind Grundlage für einen Kunststoff, der endlos recycelt werden kann und bei Bruch sortenrein weiterverarbeitet werden kann. Die Hamburger Designer-Firma "Mutter" hat zum Beispiel aus Molke den Milk-Tumbler konzipiert. Dieser wird zum Vertrieb von regionaler Ökomilch eingesetzt. Mehr zum Konzept des Milk-Tumblers kannst du auf www.designmadeingermany.de lesen. PLA wird auch als Ersatzstoff für das herkömmliche PE von Einkaufstüten verwendet.[19] Neben Kleidung können aus Casein auch Kunststoffgranulate und Mikroplastik für Kosmetik hergestellt werden. Das Galalith aus Casein galt bereits 1897 als Ersatz für Elfenbein.
    • Cellulose: ist ein Grundstoff aus Pflanzenfaser. Das erste daraus hergestellte Produkt war 1869 das Celluloid, das bei einem Preisausschreiben für Ersatz von Elfenbein bekannt wurde. Celluloseactetat ist jedoch ein modifizierter Naturstoff, der nicht mehr unbedingt biologisch durch Schimmelpilze und Bakterien abbaubar ist. Celluloseacetat wird für seidenähnliche Textilfasern und Zigarettenfilter benutzt.
    • Holzfaser: Viskose (Reyon oder "Kunstseide") wie auch Modal und Lyocell (Sportbekleidung Tencel) bestehen hauptsächlich aus chemisch modifizierter Holzfaser, die biologisch abbaubar sein soll. Allerdings werden bei der Herstellung giftige Gase frei. Lignin ist ein Bindestoff aus Holzfaser (wie Arboform in der Autoindustrie). Die Stuttgarter Firma Tecnaro hat sich darauf spezialisiert.
    • TPA: thermoplastische Stärke zum Beispiel aus Kartoffeln, Weizen oder Mais. Sie macht 80 Prozent des Marktanteils aus.
    • PHA: aus Zuckern wie Mais und Zuckerrüben gewonnen - eine Herstellungs-Technik wurde ursprünglich von Procter & Gamble entwickelt.
    • PHB: ein Biopolymer, das von Bakterien produziert wird aus Zucker/Stärke oder dem ökologisch problematischen Palmöl.
    • Chitin-basierte Kunststoffe aus Abfällen der Garnelenproduktion
    • Gelatine aus Verwertung tierischer Nebenprodukte (essbarer Kunststoffersatz zum Beispiel für Medikamentenkapseln)
  • Mineralöl-basiertes Plastik, dem Additive zur biologischen Abbaubarkeit zugesetzt werden. Häufig sind daran spezielle Bakterien beteiligt, die Öl oder zum Beispiel auch Nylon abbauen können.
    • Ecoflex: ist ein von BASF entwickelter, kompostierbarer biologisch abbaubarer Kunststoff, der als Zusatz für Verpackungen aus anderen Biokunststoffen verwendet wird. Die Zugabe ergibt je nach Mischverhältnis Materialeigenschaften von Folien bis Hartplastik.

Mehr zu Biokunststoffen kann man zum Beispiel im Biokunststoff-Artikel auf Wikipedia lesen.

6.2.1 Entsorgung von Biokunststoffen

Plastik
Biobasis: von der Idee her gut, aber nicht praxistauglich für die Verwertung

Man könnte meinen, dass biologisch abbaubare und kompostierbare Kunststoffe im Biomüll entsorgt werden können. Dies ist jedoch leider nicht der Fall, da sie sich optisch von nicht-abbaubaren Kunststoffen nicht unterscheiden und somit aus dem Biomüll aussortiert werden würden. Außerdem benötigen Biokunststoffe 12 Wochen zur Kompostierung und damit wesentlich länger als die Kompostieranlagen für den Biomüll brauchen.

In den gelben Sack gehören Biokunststoffe ebenfalls nicht, da sie von der Wiederverwertungsgebühr befreit sind.

Deshalb müssen biologisch abbaubare und kompostierbare Kunststoffe im Restmüll entsorgt werden. Mehr dazu im kostenlosen Plastikatlas 2019 der Heinrich-Böll-Stiftung.

Bei Ablagerung in der Natur sind Biokunststoffe "umweltfreundlicher" als normales Plastik. Da der Zerfallprozess allerdings mehrere Monate braucht, nutzt dies der Tierwelt auch wenig. Die Tiere halten auch den Biokunststoff für Nahrung und können daran sterben.

6.3 Kreative Nutzung von Plastikmüll

Lidl hat eine eigene Recycling-Station, wo die Pfandflaschen geschreddert werden und aus dem Granulat Flaschenrohlinge hergestellt werden, die dann nur in Form geblasen werden für neue Abfüllflaschen. Außerdem verkaufen sie zum Beispiel Bettdecken, die aus recyceltem Plastik hergestellt werden.

Die Firma AEG verkauft in Deutschland Öko-Staubsauger*, die aus 55 bis 65 Prozent Recycling-Plastikflaschen bestehen.

Die dänische Firma Zen by Sen stellte bis 2020 Yoga-Kleidung aus alten Fischernetzen her.

Addidas stellt einen Schuh her aus "Ocean Plastik". In Wirklichkeit wird laut Hersteller Garn aus Plastikmüll von Stränden benutzt, bevor es ins Meer gelangt. Das Recycling von Ozeanmüll ist wegen der Sortierung und Reinigung ausgesprochen aufwändig. Man kann davon ausgehen, dass es sich bei den wenigsten Produkten, die mit dem Schlagwort "Ocean Plastik" werben, tatsächlich um Plastikmüll handelt, der aus dem Ozean gefischt wurde.

Die Firma girlfriend collective organisiert in Taiwan eine Mülltrennung, recycelt Plastikflaschen zu einem weichen Stoff, aus dem unter anderem Leggings hergestellt werden.

Die Gehäuse der PC-Computermaus "Fairmaus" von Nager IT wurden lange Zeit aus Recycling-Plastik hergestellt. Dabei galt es eine Mischung zu finden, die flexibel genug war um nicht spröde zu zersplittern, aber hart genug, um nicht zu zerbrechen. Inzwischen wird ein nachwachsender Bio-Rohstoff verwendet: Zuckerrohr.

Im Himalaya ertrinken regelmäßig Kinder und Erwachsene bei den jährlichen Überschwemmungen der großen Flüsse. In Nepal unterstützt die Organisation ADRA unter anderem ein Projekt, wo sich die Menschen aus PET-Flaschen Schwimmwesten herstellen.

In vielen Drittländern werden PET-Flaschen genutzt, um Tageslicht in Wellblechhütten zu bringen oder Häuserwände herzustellen, wie zum Beispiel hier in Panama.

Die Facebook-Seiten Upworthy und NowThisFuture zeigen ein Video, wo Senioren in einem Heim aus Plastiktüten Decken für Obdachlose "häkeln". Hierbei wird die isolierende Eigenschaft von Plastik genutzt.

Das Unternehmen Wildplastic sammelt Plastikmüll ein und stellt daraus wiederum Plastiktüten her. So wird Neuplastik vermieden und bis zu 60 Prozent[20] CO2 gespart. Um das Unternehmensziel "die Welt aufräumen" zu erreichen, will das Unternehmen auch mit großen Firmen kooperieren und deren Logistik-Kreisläufe nachhaltiger gestalten.


  1. Handel reduziert Plastiktütenverbrauch um 70 Prozent, vom 18.12.2020, abgerufen am 22.7.2021
  2. 25 Minuten für die Ewigkeit, abgerufen am 16.8.2022
  3. a b Nürnberger Nachrichten, 19.11.2014
  4. Vom Kunststoff zurück zum Öl vom 21.2.2014, abgerufen am 16.8.2022.
  5. Forscherin entdeckt zufällig Plastik fressende Raupe, vom 24.4.2017, abgerufen am 16.8.2022.
  6. Vorbildlich! Frankreich verbietet Weichmacher, Einweggeschirr und Plastiktüten vom 6.11.2014, abgerufen am 16.8.2022.
  7. Bali becomes the first Indonesian island to ban single use plastic bags, straws, and polystyrene, vom 4.6.2019, abgerufen am 25.6.2019.
  8. Tweet von Greenpeace von Oktober 2016, abgerufen am 21.3.2017.
  9. Sikkim: Von der Bio-Vision zur Realität, vom 17.12.2017, abgerufen am 9.3.2022
  10. ATTN - Kenya just banned plastic bags vom 18.3.2017, abgerufen am 16.8.2022.
  11. Plastik-Bann New York Mai 2019 (engl.) vom 14.5.2019, abgerufen am 16.8.2022
  12. Unplastic Billerbeck - Gegen die Vermüllung unserer Welt, vom 10.4.2017, abgerufen am 22.7.2021
  13. a b c d Das Erste - Ein Tag ohne... Plastik Video vom WDR, vom 10.1.2018, abgerufen am 22.7.2021, abrufbar bis 29.35.2025.
  14. Wie Nahrung unser Erbgut beeinflusst - Doku Epigenetik vom 31.1.2012, abgerufen am 16.8.2022.
  15. Tritan: Trinkflasche aus Kunststoff ohne BPA – unbedenklich?, abgerufen am 16.8.2022.
  16. 80 Plastiktüten im Bauch - Wal verendet vom 3.6.2018, abgerufen am 16.8.2022.
  17. Tote Pottwale in Deutschland gefunden und ihre Mägen sind voller Plastik- und Autoteile vom 25.8.2018, abgerufen am 16.8.2022.
  18. BZ-Basel-Artikel vom 26.3.14, abgerufen am 16.8.2022.
  19. Tüten aus PLA, abgerufen am 26.7.2021
  20. https://www.wildplastic.com/, abgerufen am 3.12.2020

7 Aktiv sein

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Alles Wissen ist schön und gut. Doch um dein Leben wirklich zu verbessern, musst du schlussendlich aktiv werden.

Deshalb erhältst du im Abschnitt „Aktiv sein“ wertvolle Tipps, wie du zum Thema „Plastik“ in die Umsetzung kommst - sei es mit Online-Kursen, Online-Kongressen, Coaches oder Büchern.

Also, such dir das passende Medium raus und dann rein in die Praxis!

7.1 Online-Kongresse

  • Reflexion! Summit 2021 von Beatrice Bürger. Editieren.svg
    Erschaffe ein natürliches Umfeld, in dem sich Lebendigkeit entfalten kann
    Stichworte Nachhaltigkeit, Kategorie:Umwelt, Veränderung, Stadt, Kategorie:Lebensmittel, Plastik, Garten, Permakultur
  • Technologien der neuen Zeit-Kongress von Inge Schneider, Adolf Schneider. Editieren.svg
    Mit diesen neuen Technologien kann unsere Zukunft nachhaltiger gestaltet werden
    Stichworte Nachhaltigkeit, Wasser, Klimaschutz, Kategorie:Energieversorgung, Erneuerbare Energien, Plastik, Schlafen
  • Green-Revolution-Nachhaltigkeitskongress von Melanie Marchioni-Kerkletz, Daniel Pichler, Ina Boahene. Editieren.svg
    Finde zurück zur Natur. Bringe Befreiung, Leichtigkeit und Heilung in dein Leben.
    Stichworte Nachhaltigkeit, Kategorie:Umwelt, Effektive Mikroorganismen, Plastik, Bakterien, Hygiene, Minimalismus

7.2 Bücher

8 Weiterführendes


8.1 Artikel

8.2 Videos

8.3 Filme

  • Plastic Planet - der Film von Werner Boote über das Plastik-Zeitalter (eingebettet in einem Info-Artikel) Editieren.svg

 

8.4 Weblinks

  • bund.net - Infoseite zum Umweltschutz mit vielen Themen; unter anderem Natur, Plastik, Atomkraft, mit der FoxTox-App für Hormone-Schadstoffe in Kosmetik. Editieren.svg
  • nalgene.com - Hersteller von BPA-freien Plastik-Trinkflaschen Englisch Editieren.svg
  • planetbox-duentscheidest.de - Onlineshop für Plastikfreie Waren - Hunderte Produkte von Gebrauchsgegenständen über Geschenke und Sofas aus Pappe Editieren.svg
  • plasticseurope.org - Informations-Plattform zum Thema Plastik - von Kunststoffverbänden aus aller Welt - Aktivitäten gegen Plastikverschwendung, Recycling-Möglichkeiten, Weltmeeres-Verschmutzung und weiteres Editieren.svg
  • qmilkfiber.eu - Upcycling von unbrauchbarer Milch: seidenweiche Kleidung, Luxus-Naturkosmetik, Plastik-Granulat-Ersatz (Spielzeuge), mit Weiterentwicklungpotential des aus Kasein gewonnen Biopolymers. Editieren.svg
  • theoceancleanup.com - Projekt von Boyan Slat zur Säuberung der Ozeane von Plastikmüll, mit News zum aktuellen Stand der Expeditionen Englisch Editieren.svg
  • theoceancleanup.com - The Ocean Cleanup entwickelt Reinigungssysteme, die das schwimmende Plastik, das im großen pazifischen Müllteppich schwimmt, beseitigen können. Editieren.svg
  • trashbusters.de - Aktionen gegen Plastik-Müll Editieren.svg

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