Trauerprozess und Glaubenssätze

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Trauerprozess
Der Weg aus der Trauer kann unvermutet und lang sein

In diesem Artikel werden belastende Glaubenssätze dargestellt, die sich im Laufe eines Trauerprozesses entwickeln können.

Die Darstellung ist hilfreich, wenn man ungeklärte Trauergefühle in sich untersuchen möchte oder Glaubenssätze plötzlich im Zusammenhang mit unvermuteten Trauergefühlen erkennt.

Die Entwicklung des Trauerprozesses wird im Zusammenhang mit der psychologischen Farbenlehre dargestellt. Die Interpretationen sind weniger als psychologisch fundierte Forschungsergebnisse, sondern eher als Anregung zur Kontemplation zu verstehen.[1]

1 Der Trauerprozess und Glaubenssätze im Lichte des Regenbogens

Trauer gibt es nicht nur im Zusammenhang mit Tod, sondern ganz allgemein mit Verlusten und wenn etwas tief Gewünschtes nicht erfüllt worden ist. Dabei ist es von der Wirkung her gleich, ob der tiefe Wunsch berechtigt ist und die Nicht-Erfüllung Schicksal war - oder ob es etwas gewesen ist, das man um jeden Preis in sich wahr-machen wollte.

Aus den damit zusammenhängenden Gefühlen werden leicht Glaubenssätze geformt, die generalisiert wirken und in unterschiedlichsten Lebens-Situationen eine Trauer und Stumpfheit auslösen. Manchmal kann die Reaktion so entschieden sein, dass sie gar nicht mehr bewusst ist oder überhaupt in Zusammenhang mit Trauer gebracht wird: man meint sogar, dass man mit Trauer gar nichts zu tun habe. Hier werden Glaubenssätze dazu benutzt, um sich einen inneren Halt zu geben, damit man sich nicht auflöst in unermesslich gefühltem Schmerz. Oder man vermeidet damit gezielt ein unerwünschtes, störendes Empfinden.

In dem Bewusst-werden und Durchleben von Tendenzen, die selbstzerstörerisch wirken, kann man eine erfüllende Tiefe und Empathie entwickeln für Begleitung anderer, die es noch nicht gewagt haben der Bewältigung ihrer Trauer Raum zu geben.
Das Losgelöst-Sein von solchen haltgebenden Strukturen wie manifeste Glaubenssätze bewirkt eine wärmende Präsenz tiefer Weisheit, die Einsicht und Heilung von Verhärtung ermöglicht sowie Auflösung von festgefahrenen Illusionen.

Eine auf solche Weise entstehende, mitfühlende Präsenz ist dann das tatsächlich Halt-gebende - und entspricht damit dem Regenbogenprinzip, das alle Farben des Lebens in sich trägt und gleichermaßen reflektieren kann.

2 Selbst-Untersuchung

Folgende Fragen kann man sich stellen, wenn man damit konfrontiert wird, dass man irgendwo festgefahren ist - möglicherweise in einem Trauerprozess:

  • In welchem Glaubenssatz bin ich einmal stecken-geblieben, der sich zu einem Lebensgefühl entwickelt hat?
  • In welches Gefühl gebe ich meine Kraft hinein, um es immer noch aufrecht zu erhalten?
  • Was suche ich in dieser Erfahrung, die mich weg zieht in ein "dort", statt "hier" zu sein?
  • Welche Antwort könnte diese Erfahrung vollenden - statt den Glaubenssatz immer wieder zu "erfüllen"?
  • Bin ich bereit, die derzeitige Erfahrung zu beenden und mir etwas Neues zu gönnen?

3 Farbreihe und Prozessmarken

Die psychologischen Farb-Bedeutungen werden jeweils zusammengebracht mit dem vorherrschenden Lebensgefühl, seinem Ausdruck im Leben und dem entsprechenden Lebenssatz. Zu den Bedeutungen und Wirkungen der Farben siehe auch den Artikel Farbenlehre.

3.1 Unglaube und Stummheit - Magenta

  • Die Identifikation mit dem Nichts, dem Tod und tot sein. Man kann sich in diesem Nichts verstecken, als ob man in einem Loch sitzt; oder man kann sich selbst "zerreißen" und auflösen in dieses Nichts.
  • Als Lebensgefühl herrscht stummes Gefühl vor; der entsprechende Körperausdruck ist sich an den Armen festzuhalten.

3.2 Bedauern und Selbstvorwürfe - Violett

  • Hier herrscht die Angst vor der höheren Macht, Angst vor Ohnmacht und die Illusion des "Ich" von der Mitbestimmung, die enttäuscht worden ist. Die Gefühlsspanne kann von Horror über Entsetzen zu bloßer Angst gehen.
  • Der zugehörige Glaubenssatz: "Ich habe die Zeit mit ... nicht genügend genutzt" (- und nun ist nichts mehr geblieben).

3.3 Schuldgefühl - Königsblau

  • Zur Vermeidung obiger Angst stürzt man sich in ein Schuldgefühl - damit kehrt ein Gefühl von Kontrolle zurück. Darin liegt auch eine gegen sich selbst gerichtete Wut, besonders, wenn man keinen anderen "Schuldigen" hat (wie Gläubige ihre höhere Macht haben als außerhalb ihrer selbst).
  • Glaubenssatz: "Ich war nicht nett (genug) zu ihm/ihr" / "... zu dick (oder hässlich) / zu... / nicht genug..."

3.4 Loslassen, Akzeptanz - Blau

  • Ein Waffenstillstand als erster Schritt auf dem Weg zu Frieden.
  • Glaubenssatz: "Alles war umsonst."

3.5 Resignation - Türkis

  • Eine Art Blindheit gegenüber dem Verbliebenen, die auf abgeschnittener Herzens-Kommunikation beruht.
  • Glaubenssatz: "Alles Liebenswerte ist weg." / "Die Schönheit des Lebens ist weg."

3.6 Einsicht - Grün

  • Als gegen sich selbst gerichtete Reaktion verschließt man das Herz - eine aktive Beschränkung der Wahrnehmung.
  • Glaubenssatz: "Ich werde nie wieder lieben / leben!"

3.7 Bitterkeit - Oliv

  • Man vergleicht sich mit anderen und entwickelt Gram als unaufhörliches Leiden.
  • Glaubenssatz: "Das ist ungerecht! / womit habe ich das verdient?!"

3.8 Beschlusskraft - Gelb

  • In der negativen Beurteilung seiner Lage ergreift man wieder die Macht nach der Ohnmacht.
  • Glaubenssatz: "Ich werde nie wieder lachen."

3.9 Neid, Enttäuschung - Gold

  • Der Eindruck getäuscht worden zu sein führt zu Vorwürfen, Selbstmitleid und Abwertung des Selbstwertgefühls.
  • Glaubenssatz: "Warum ich!" / "Nur ich habe alles verloren!"

3.10 Vortäuschung - Orange

  • In Verleugnung der natürlichen Schöpferkraft reagiert das Bewusstsein mit Spaltung und trägt ein "normales", angepasstes Ich nach außen - das rangiert von Schutzmechanismus wie im Trauma bis hin zu absichtsvoller (heimlicher) Verachtung. Es schließt das Du, die Anderen aus, schafft eine machtvolle Getrenntheit statt eine Verbundenheit anzunehmen mit etwas anderem als dem was einem genommen wurde.
  • Glaubenssatz: "Ich lasse mir nichts anmerken."

3.11 Erstarrung - Koralle

  • Eine Blockade wirkt durch die Verleugnung der Lebenslust und kindlicher Weisheit.
  • Glaubenssatz: "Ich will keinen mehr sehen / nichts mehr an mich heran-lassen."

3.12 Verweigerung - Rot

  • Eine umgekehrte Lebenskraft.
  • Glaubenssatz: "Ich will ohne ... nicht leben / ich will sterben."

3.13 Durchlichtung - Rosa

  • Selbstliebe kehrt zurück, die Unabhängigkeit vom Du als Ergänzung seiner selbst.
  • Glaubenssatz: "Ich darf Liebe erleben ohne..." / "...meine Liebe erleben / Liebe durch andere erleben."

3.14 Klärung - Weiß

  • Eine mitfühlende Selbstsicht erlaubt die Umkehr aus der reaktiven Verhärtung.
  • Glaubenssatz: "Ich schaffe es."

3.15 Versöhnung - Regenbogen

  • Ein Neubeginn wird möglich; die individuelle Lebensliebe kommt wieder zum Vorschein.
  • Glaubenssatz: "Es war eine schöne Erfahrung.", "Ich erfahre / ich lebe (wieder) Liebe."

Wenn du traurig bist, dann schau in dein Herz
und du wirst erkennen,
dass du weinst um das, was dir Freude bereitete.

Kahlil Gibran

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  1. Diese farb-orientierte Reihe wurde von Heike Witzel im Januar 1998 erstellt, wesentlich inspiriert von ihrer AuraSoma-Berater-Kollegin Anni von Prondzinski.

Glück ist das Einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt.

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