Gott
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Weisheiten
Gott und das Kamel
Ein Schüler kam auf seinem Kamel zum Zelt des Sufi-Meisters geritten. Er stieg ab und ging direkt in das Zelt hinein, verneigte sich tief und sagte: „ Mein Vertrauen in Gott ist so groß, dass ich mein Kamel draußen nicht angebunden habe, weil ich überzeugt bin, Gott wird die Interessen derer, die ihn lieben schützen.“ – „Geh und binde dein Kamel an, du Narr“, sagte der Meister, „man soll Gott nicht mit Dingen belästigen, die man selbst erledigen kann.“
(Anthony de Mello)
Die Fußspuren Gottes
Ein französischer Gelehrter durchstreifte die Wüste und hatte sich als Führer einige Araber mitgenommen. Beim Sonnenuntergang breiteten die Araber ihre Teppiche auf dem Boden aus und beteten.
„Was machst du da?“ fragte er einen. „Ich bete.“ – „Zu wem?“ – „Zu Allah.“ – „Hast du ihn jemals gesehen – betastet – befühlt?“ – „Nein.“ – „Dann bist du ein Narr!“
Am nächsten Morgen, als der Gelehrte aus seinem Zelt kriecht, meint er zu dem Araber: „Hier ist heute Nacht ein Kamel gewesen!“ Da blitzte es in den Augen des Arabers: „Haben Sie es gesehen – betastet – gefühlt?“ – „Nein.“ – „Dann sind Sie aber ein sonderbarer Gelehrter!“ – „Aber man sieht doch rings um das Zelt die Fußspuren!“ Da ging die Sonne auf in all ihrer Pracht. Der Araber wies in ihre Richtung und sagte: „Da sehen Sie die Fußspuren Gottes.“
(Unbekannt)
Mittagessen mit Gott
Ein kleiner Junge wollte Gott treffen.
Er packte einige Coladosen und Schokoriegel in seinen Rucksack
und machte sich auf den Weg. In einem Park sah er eine alte Frau,
die auf einer Bank saß und den Tauben zuschaute.
Der Junge setzte sich zu ihr und öffnete seinen Rucksack.
Als er eine Cola herausholen wollte, sah er den hungrigen Blick der
Frau. Er nahm einen Schokoriegel heraus und gab ihn der Frau.
Dankbar lächelte sie ihn an – ein wundervolles Lächeln!
Um dieses Lächeln noch einmal zu sehen, bot ihr der Junge auch
eine Cola an. Sie nahm sie und lächelte wieder, noch strahlender als zuvor.
So saßen die beiden den ganzen Nachmittag im Park, aßen Schokoriegel und
tranken Cola, ohne auch nur ein Wort zu sprechen.
Als es dunkel wurde, wollte der Junge nach Hause gehen.
Nach einigen Schritten hielt er inne, ging zurück und umarmte die Frau.
Die schenkte ihm dafür ihr allerschönstes Lächeln.
Zu Hause fragte ihn seine Mutter:
"Was hast Du denn heute Schönes gemacht, daß Du so fröhlich aussiehst?"
Der Junge antwortete:
"Ich habe mit Gott Mittag gegessen – und sie hat ein wundervolles Lächeln!"
Auch die alte Frau war nach Hause gegangen, wo ihr Sohn sie fragte, warum
sie so fröhlich aussehe.
Sie antwortete:
"Ich habe mit Gott Mittag gegessen – und er ist viel jünger, als ich dachte!"
(Verfasser unbekannt)


