Vera F. Birkenbihl

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Vera Felicitas Birkenbihl (* 26. April 1946 in MĂŒnchen; † 3. Dezember 2011 in Osterholz-Scharmbeck) war eine deutsche Managementtrainerin und Sachbuchautorin. Sie fokussierte sich auf Lerntechniken und war Leiterin des Instituts fĂŒr gehirn-gerechtes Arbeiten.

1 Zur Person

Vera F. Birkenbihl studierte in den USA Psychologie und Journalismus. Ab dem Jahr 1969 entwickelte sie Lerntechniken auf Basis der Hirnforschung. 1970 hielt sie erste VortrĂ€ge und Seminare in den USA und war seit ihrer RĂŒckkehr nach Europa 1972 als freie Trainerin und Autorin tĂ€tig. Sie lebte zuletzt in Osterholz-Scharmbeck.[1]

Birkenbihl hielt eine Vielzahl an VortrĂ€gen, von denen viele auf DVD erschienen sind. Des Weiteren veröffentlichte sie mehr als 30 SachbĂŒcher*[2].

Die Querdenkerin setzte sich vor allem damit auseinander wie unser Gehirn arbeitet und denkt. Weitere Themenbereiche die Birkenbihl behandelte waren Brain-Management, KreativitÀt, Kommunikation, Persönlichkeitsentwicklung, Zukunftstauglichkeit, Gehirn gerechtes Lernen, Fremdsprachen schnell und leicht erlernen, Esoterik, Viren des Geistes, Unterschiede zwischen MÀnner und Frauen, Erfolgstraining und -strategien, Psychologie u.v.m..

Sie prÀgte die Begriffe "brain-friendly", "gehirn-gerecht", "gehirn-gerechtes Lernen", "Wissens-Netz" und "Reptiliengehirn".

Birkenbihl setzte gerne Witze, Geschichten und Metaphern in ihren VortrÀgen ein. Anhand von Witzen verdeutlichte sie Kommunikationsmodelle und Sprachmuster.
Sie war sehr belesen und gab ihre Buchtipps sehr oft in ihren VortrÀgen bekannt. Wer sich ihre Mitschnitte ansieht wird also viele Lese-Anregungen erhalten.

Auf Video-Portalen sind viele VortrÀge und Mitschnitte von ihr zu finden. Ihre wohl bekanntesten VortrÀge sind Viren des Geistes, MÀnner und Frauen (Teil 1 und Teil 2) und Pragmatische Esoterik.

Birkenbihls Vater war der Personaltrainer und Unternehmensberater Michael Birkenbihl, mit dem sie auch zeitweise zusammen arbeitete.

Birkenbihl erkrankte an Speiseröhrenkrebs[3] und verstarb am 03.12.2011 an Lungenembolie[4].

2 Lerntechniken und Modelle

Um unser Gehirn zu trainieren und immer mehr neuronale VerknĂŒpfungen und Verbindungen herzustellen, entwickelte Birkenbihl eine Menge Techniken und Modelle, die sie in (Management-) Trainings, Seminaren und BĂŒchern vermittelte.

Im Folgenden werden ihre wohl bekanntesten Lern-Techniken und -Modelle vorgestellt.

2.1 ABC-Listen

Bei dieser Übung nimmt man sich ein Blatt Papier und notiert untereinander das vollstĂ€ndige ABC. Danach nimmt man ein Thema mit dem man arbeiten möchte, z. B. das Thema "Auto". Nun listet man alle Begriffe auf, die einem zum Thema "Auto" einfallen und schreibt sie zu dem entsprechenden Buchstaben. Es mĂŒssen nicht zu allen Buchstaben des Alphabets Begriffe gefunden werden. Mehrfachbesetzungen einzelner Buchstaben sind auch möglich.

Eine Liste fĂŒr das Thema "Auto" könnte wie folgt aussehen:

  • A - Anlasser, Atenne
  • B - Batterie
  • C - Chromstange
  • D - Drehzahlmesser, Drehimpuls
  • ...
  • Z - ZĂŒndkerze

Es ist auch möglich - und auch angedacht - ĂŒber den Tellerrand hinaus zu denken und Begriffe aufzulisten, die nur "entfernt" mit dem Ausgangsthema zu tun haben. Dies schafft weitere neue neuronale VerknĂŒpfungen im Gehirn.

So könnte die Liste zum Thema "Auto" auch so aussehen:

  • A - Autobahn
  • B - Belgien (weil man im Urlaub mal mit dem Auto dort war)
  • C - Charts (weil man mit dem Autoradio die Charts hört)
  • D - Dienstfahrt, Dieter (weil der ein Auto hat)
  • ...
  • Z - Zubringer

Bei dieser Übung geht es nicht darum, das Alphbet der Reihe nach durchzugehen, sondern frei zu assoziieren. Wenn einem zum Beispiel zuerst etwas zum Buchstaben "N" einfĂ€llt, so schreibt man diesen Begriff direkt auf.

Birkenbihl empfiehlt diese Übung möglichst oft durchzufĂŒhren.

Mit welchen Themen man die ABC-Liste durchfĂŒhren möchte, ist einem selbst ĂŒberlassen. Möchte man beispielsweise klarer ĂŒber die alltĂ€glichen Dinge werden, so sollte man diese wĂ€hlen.

In diesem Video erklÀrt Birkenbihl die ABC-Liste.

2.2 KaWa

KaWa ist wie die ABC-Liste eine Methode bei der man Worte miteinander assoziiert (verknĂŒpft).
KaWa ist ein Akronym und bedeutet:

  • K - Kreativ (Das Finden von Wort-Assoziationen ist natĂŒrlich eine Kreativ-Aufgabe)
  • A - Analograffit (eine von Birkenbihl geprĂ€gte Bezeichnung fĂŒr diese und andere Denk-Techniken)
  • W - Wort (Das Finden von Assoziationen ist eine Wort-Aufgabenstellung)
  • A - Assoziativ

Bei der KaWa-Technik nimmt man sich ein Wort und findet zu den einzelnen Buchstaben des Wortes passende Wörter, die man mit dem Ausgangsbegriff verbindet.

Erstes Beispiel mit dem Ausgangswort "Sprache":

  • S - Spielerisch leicht, Sinn als Fokus (beim Sprachen lernen; Pauken ist verboten)
  • P - Power
  • R - Repertoire
  • A - Aktiv
  • CH - Chance
  • E - Erfolg, Entwicklung, Entdecken lernen

Zweites Beispiel mit dem Ausgangswort "Mediator":

  • M - Miteinander
  • E - Entwicklung
  • D - Dilemma auflösen
  • I - Inspiration, Inselmodel (ein Modell von Birkenbihl)
  • A - Aneinander vorbei verhindern
  • T - Training, Trainer, Tor-Effekt und Tor der Entdeckung (Ball im Tor-Effekt = man sieht direkt das Ergebnis)
  • O - Opferbereitschaft fĂŒr die VerĂ€nderung als WertschĂ€tzung
  • R - Repertoire

Auch das KAWA sollte wie die ABC-Liste oft durchgefĂŒhrt werden fĂŒr dauerhaften Erfolg. Wörter aus einer Fremdsprache können auch genommen werden. Birkenbihl gestaltete ihre eigenen KaWas immer sehr bildhaft und farbenfroh.

In diesen Videos erstellt Birkenbihl ein KaWa.

2.3 Insel-Modell

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Stell dir vor jeder Mensch steht in seiner Insel...

Das Inselmodell von Vera Birkenbihl beschreibt die bildhafte Vorstellung, dass jeder von uns in (nicht auf) seiner eigenen Insel lebt, der "Denk-Insel". Diese Insel steht fĂŒr die eigene Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, welche die Kommunikation des "Insel-Bewohners" bestimmt.

Mit dem Inselmodell soll man seine eigene Denk-Insel entdecken, lernen sie zu erweitern und BrĂŒcken zu anderen "Insel-Bewohnern" bauen.

Wenn sich Bereiche der Denk-Insel mit denen des GesprĂ€chspartners ĂŒberschneiden, geht Birkenbihl davon aus, dass die Kommunikation leicht fĂ€llt und man dies als "Erfolg" ansieht. Je grĂ¶ĂŸer die eigene Denk-Insel ist, um so mehr (Teil-) Überschneidungen ergeben sich mit GesprĂ€chspartnern.

Liegen unterschiedliche Erfahrungen, Glauben, Meinungen und Ziele vor, so mĂŒssen wir eine BrĂŒcke zur Denk-Insel des GesprĂ€chspartners bauen. Dies fĂ€llt allgemein hin jedoch schwer, ist allerdings die einzig mögliche Ausgangsbasis fĂŒr ein erfolgreiches GesprĂ€ch, so Birkenbihl. Bauen wir in einer solchen GesprĂ€chssituation keine BrĂŒcke zum anderen, so entstehen Kommunikationsprobleme.

Ein Video zum Insel-Modell findet sich hier.

2.4 Ball im Tor-Effekt

Birkenbihl ging davon aus, dass wĂ€hrend eines Lernprozesses das direkte Erkennen ob man falsch oder richtig liegt, sehr wichtig fĂŒr den Erfolg ist. Bei Situationen, wie zum Beispiel Schultests, bei denen man das Ergebnis erst Tage spĂ€ter erfĂ€hrt, bleibt der Lernerfolg aus bzw. um einiges geringer.

Auf Grund dieser Erkenntnis bzw. Annahme prĂ€gte sie den Begriff "Ball im Tor-Effekt". Wenn ein Fußballspieler einen Elfmeter schießt, wird er direkt mit dem Ergebnis seines Tuns konfrontiert: der Ball ist entweder im Netz oder wurde vom Torwart gehalten oder ging ins Aus. Der SchĂŒtze muss nicht eine lĂ€ngere Zeit warten, bis er das Ergebnis seines Tuns erfĂ€hrt, er sieht es direkt.

Den "Ball im Tor-Effekt setzte Birkenbihl auch in vielen ihrer entdeckten und entwickelten Lernmethoden ein.

2.5 Gehirn-gerecht Sprachen Lernen

Vera F. Birkenbihl prĂ€gte den Begriff "gehirn-gerechten Lernen" und befasste sich dementsprechend viel damit. Sie entwickelte unter Anderem ein Programm um Fremdsprachen einfacher und effektiver zu lernen. Der Spaß am Lernen stand dabei im Vordergrund, das Pauken von Vokabeln war dabei streng verboten. Birkenbihl kritisierte das (stupide) auswendig Lernen und Pauken von Vokabeln.

Das Grundprinzip ihres Fremdsprache-Lern-Programms bezogen auf das Beispiel Englisch:
Man schreibt einen englischen Satz auf, den man ins Deutsche ĂŒbersetzen möchte. Darunter schreibt man nun unter jedes einzelne Wort das entsprechende deutsche Wort und zwar in der direkten Übersetzung (also NICHT freien Übersetzung) und der entsprechenden Reihenfolge (also NICHT in der deutschen, grammatikalisch richtigen Reihenfolge). Man sollte zuerst die Worte ĂŒbersetzen, die man kennt. Die Reihenfolge der Übersetzung ist egal. Man ĂŒbersetzt also erstmal das, was man weiß und kennt.
Aufgrund der Wörter, die man ĂŒbersetzen kann, ergeben sich nun noch Wörter, die man aus dem Zusammenhang entschlĂŒsselt. So ergibt sich fĂŒr den Übersetzer auch bei noch fehlenden Wörtern ein erschließbarer Inhalt. Die noch fehlenden Wörter werden nun in einem Nachschlagewerk recherchiert und ergĂ€nzend in den Übersetzungstext eingetragen.
Der Lernende, so Birkenbihl, wird somit zum Entdecker und Forscher der Sprache und nicht zum "braven" Auswendig-Lerner. Zudem taucht man bei dieser Lerntechnik tiefer in die Fremdsprache ein, da die SinnzusammenhÀnge und die Grammatik offensichtlicher erscheinen und direkter erlebt werden. Die Birkenbihl-Lern-Methode sollte als spannendes Lernspiel empfunden werden.

Nach einer Erprobungsphase stellte Birkenbihl fest, dass ihre Lernmethode zwar gut funktioniert, jedoch erst mit Kindern ab circa 10 Jahren, die auch einen Mindestwortschatz besaßen. Birkenbihls Fremdsprachen-Lern-Programm wird immer noch gelehrt und umgesetzt, auch wenn es nicht mehr so populĂ€r ist wie zu ihrer Zeit.

Videos: Sprachen lernen, Sprachen lernen fĂŒr SchĂŒlerInnen und Gehirn-gerecht lernen.

3 Zitate von Vera F. Birkenbihl

"Ein Mensch, der sich hauptsĂ€chlich um die Befriedigung der StatusbedĂŒrfnisse kĂŒmmern muss,
hat noch nicht ... genĂŒgend Kraft ..., sich selbst zu verwirklichen.
Er "verwirklicht" lediglich seine Ă€ußere Schale, gewissermaßen seine Verpackung."

"Nur ein Mensch, der Selbstvertrauen hat,
kann das Vertrauen anderer erwerben."

"Jeder Fehler hat eine Lehre eingebaut."

"Nichts ist so erfolgreich wie der eigene Erfolg!"

"Je klarer die Zielvorstellung,
desto klarer der Erfolg."

"Der erfolgreiche Mensch sitzt im Zug des Lebens
und steht nicht zeit seines Lebens nur an der Haltestelle."

"Der Erfolgreiche lebt das Leben begeistert!
Er ist ein echter Freund des Lebens.
Und damit ist er auch sein eigener Freund."

"Nur wenn ich die BedĂŒrfnisse meiner Mitmenschen kenne,
kann ich sie motivieren."

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