Ein Begriff stritt sich die letzten Wochen um den Titel »Unwort des Jahres 2017«: Fake News. Zum Schluss musste sich die Bezeichnung nur knapp dem Sieger »Alternative Fakten« geschlagen geben. Doch gehören beide Begrifflichkeiten in dieselbe Kategorie, denn sie sagen deutlich, dass Vorsicht im Umgang mit Medien geboten ist. Zwar nicht so, wie der Erfinder der alternativen Fakten es meint, sondern so, wie es von den Timelines in sozialen Netzwerken oft vorgegaukelt wird. Fakt ist, dass im Internet praktisch an jeder Ecke Fake News warten und verbreitete Fakten oftmals nur dann wahr sind, wenn man dieselbe Sichtweise wie der Verbreiter teilt. Und das Schlimme: Nicht selten sehen die Seiten mit den News durchaus seriös aus und in Netzwerken werden die Fakes munter weiterverteilt. Was jeder Einzelne machen kann und wo es oftmals Probleme gibt, zeigt dieser Artikel.

Die Digitalisierung hat die Medienwelt stark verändert – doch worauf ist dabei zu achten?

Wo liegt das grundsätzliche Problem?

Die Problematik auf einen einzelnen Punkt einzugrenzen, ist praktisch unmöglich. Schließlich darf in Deutschland erst mal jeder alles schreiben und veröffentlichen, ohne dass ein direkter Filter dazwischen steht. Dies zu ändern, wäre ein strikter Eingriff in die Meinungsfreiheit. Wobei hier bereits ein gravierender Denkfehler vorliegt: Die Meinungsfreiheit ist nur gegeben, wenn durch sie keine Grund- oder Persönlichkeitsrechte anderer verletzt werden. Ist dies der Fall, sind strafrechtliche oder zivilrechtliche Konsequenzen möglich. Nur:

  • Verbreitung – was im Internet steht und in sozialen Netzwerken geteilt wird, verbreitet sich. Egal, ob eine Äußerung Schutzrechte verletzt, der Artikel oder das Bild ist online. Je nach Größe des Freundeskreises oder der Leserschaft ist die Verbreitung kaum aufzuhalten.
  • Zeitspanne – selbst, wenn die in einem Bericht oder auf einem Foto dargestellte Person gegen den Beitrag vorgeht, sind die Fake News im Umlauf. Und, wie jeder weiß, vergisst das Internet so ziemlich nichts.
  • Netzwerke – die sozialen Netzwerke sind zwar mittlerweile verpflichtet, gegen bestimmte Arten von Postings vorzugehen und Fake News zu unterbreiten, doch funktioniert das nur mit Mithilfe. Und wer einmal versucht hat, einen Post oder Kommentar bei Facebook zu melden, der weiß, wie aussichtsreich diese Meldung ist.

In vielerlei Hinsicht ist die Problematik schlichtweg, dass Meldungen zuerst ungefiltert verbreitet werden. An dieser Stelle schließt sich eine weitere Schwierigkeit an:

  • Filterblase – die meisten Menschen nutzen Facebook und andere soziale Netzwerke, um mit denjenigen in Kontakt zu bleiben, die sie interessieren. Sie liken und folgen Personen und Seiten, die von Interesse sind. Da Facebook aber anhand dieser Likes und Freunde weitere Vorschläge macht und die Timeline massiv auf all das begrenzt, was vom Nutzer aktiv kommentiert und gelikt wurde, entsteht eine Filterblase. User erhalten immer mehr Nachrichten aus diesen Gebieten – sind hier Fakeportale und Krawallmacher dabei, wird der User automatisch mit falschen Nachrichten konfrontiert.
  • Unerfahrenheit – gerade im Internet ungeübte Menschen wissen oft nicht, dass Nachrichten falsch sein können. Sehen sie auch noch, dass Freunde diese News gut finden, glauben sie den Inhalt.
  • Bequemlichkeit – viele Menschen informieren sich nur noch über die sozialen Netzwerke. Sie haben keine Lust, den Inhalt zu prüfen. Da Nachrichten – ob Fake oder wahr – oft mit reißerischen Überschriften daherkommen, um Aufmerksamkeit zu erlangen, gelangen Fakes leicht in Umlauf.

Wie lässt sich achtsam mit Medien umgehen?

Der beste Ratschlag ist, nicht alles zu glauben, was im Internet steht. Die Aussage »Das steht doch auf Facebook« ist weder ein Quellennachweis noch ein Wahrheitsbeweis. Generell sollte sich jeder Internetnutzer gerade in den sozialen Netzwerken zuerst auf seine Finger setzen und überlegen, bevor ein Beitrag geteilt, kommentiert oder gelikt wird. Hier gilt: Durch jede Interaktion mit dem Beitrag verteilt er sich automatisch weiter. Bei einem Like ist es wahrscheinlicher, dass er in der Timeline der Freundesliste landet. Ansonsten heißt es:

  • Nachricht lesen – klingt furchtbar anstrengend und altmodisch, doch ist es der richtige Weg. Von den Nachrichten sollte nicht nur die Überschrift und vielleicht die Zusammenfassung, sondern der ganze Artikel gelesen werden. So lassen sich nicht nur Fake News erkennen, auch die Clickbait(Klickköder)-Artikel verlieren auf diese Weise an Bedeutung.
  • Prüfen – wird in dem Artikel eine gravierende Aussage gemacht? Wen der Artikel so interessiert, dass er tatsächlich gelesen wird, der sollte vor der Weiterverbreitung einmal kurz prüfen, ob auch andere Quellen über das Thema berichten. Hier gilt: Wird eine Neuigkeit nur von kleinen, eher unbekannten Medien aufgegriffen und berichtet keine große Tageszeitung darüber, ist die Neuigkeit vermutlich falsch.
  • Verfasser/Website – ein Blick auf die Website des Verfassers gibt auch schon häufig Auskunft. Hat die Seite überwiegend reißerische, hetzende oder anderweitig fragwürdige Artikel? Dann ist Vorsicht geboten. Dasselbe gilt für deutsche Websites ohne Impressum.
Fake News

Fake News sind heute leider häufig zu finden – doch wie lassen sich diese identifizieren?

Beispiele für problematische Themen?

Es gibt natürlich bestimmte Themen, die für ihre erschreckende Dichte an »alternativen Fakten« bekannt sind. Da braucht nicht einmal die Politik genannt werden, denn es gibt allerhand Auswahl:

  • Kinder – Erziehung, Ernährung, Spielzeug, Kleidung oder frühkindliche Wissensvermittlung. Rund um Kinder werden im Internet teils unglaubliche Thesen verbreitet. Da kann das Kind auch in der Entwicklung gestört sein, wenn es mit drei Jahren noch keine vier Sprachen spricht.
  • Ernährung – auch hier gibt es unzählige Möglichkeiten für Fake News. Wobei es durchaus wichtige Informationen gibt, doch gehen diese leicht unter.
  • OnlineCasinos – Die Branche gilt in der öffentlichen Wahrnehmung nicht gerade als seriös und hat auch oft mit dem Anschein von Betrug zu kämpfen. Gerade weil es auch schwarze Schafe gibt (Spielmanipulationen oder verzögerte Auszahlungen), erscheint eine differenzierte Berichterstattung heute immer schwieriger.
  • Medizin – Impfdebatten außen vor: Es gibt unglaublich viele falsche Informationen, die sich im Internet verbreiten. Besonders gefährlich: Tatsächlich Betroffene sind oft so verzweifelt, dass sie die Info austesten – teils mit fatalen Folgen.
  • Verschwörungstheorien – ob die Unterwanderung von Marsianern, Chemtrails oder der Strichcode, der unbedingt mit Stift X durchgestrichen werden muss, weil er sonst Lebensmittel verseucht – diese Themenwelt ist praktisch allgegenwärtig in den Medien.

Fazit – lesen, denken, verbreiten

Letztendlich liegt es an jedem Einzelnen, dass sich Fake News nicht verbreiten und die alternativen Fakten dort bleiben, wo sie erfunden worden sind. Jedoch hat diese Achtsamkeit ihren Preis. Jeder sollte – und muss – die Neuigkeiten tatsächlich lesen, nicht nur anhand der Überschrift beurteilen und gegebenenfalls gegenprüfen.

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