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Bedingungsloses Grundeinkommen

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Grundeinkommen
Die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens könnte unser Leben revolutionieren

Dieser Artikel sammelt Informationen zum bedingungslosen Grundeinkommen (BGE).

Der hierzulande wohl bekannteste Vertreter für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens ist Begründer der DM-Drogeriemarkt-Kette Götz Werner. Auch in hohem Alter ist er noch tätig mit Vorträgen über diese Idee.

Inzwischen weisen auch internationale Wirtschaftsgrößen auf die Dringlichkeit hin, ein anderes Konzept zur Grundsicherung umzusetzen, damit die Menschen bei den Entwicklungen nicht auf der Strecke bleiben.

Gesellschaftliche Problematik

Die Diskussion über ein Arbeits-unabhängiges bedingungsloses Grundeinkommen anstelle einer Verwaltungs-aufwändigen Existenzsicherung wie zum Beispiel Hartz-IV wird seit Jahrzehnten geführt. Dennoch wird die Durchführbarkeit immer noch so bezweifelt, dass selbst in der Schweiz als europäisches Vorreiter-Land die Bürger per Volksabstimmung im Herbst 2016 mehrheitlich dagegen stimmte.

Bauern und Erntehelfer werden überflüssig gemacht von einem Roboter, der 250.000€ kostet. In Japan gibt es Pflegeroboter, die alte und kranke Menschen waschen. Maschinen kümmern sich um Hotelempfang und Zimmerservice, Putzroboter können bald Putzkolonnen ersetzen. Viele Menschen werden mit einer neuen digitalisierten Art von Arbeit nicht mehr zurecht kommen. Der auf Arbeit beruhende Lebenssinn geht verloren. Eine unvermeidliche Konsequenz wird eine alternative Existenzgrundlage sein, die nicht an Arbeit und Arbeitsfähigkeit gekoppelt ist.

Auf dem Weltwirtschaftsforum Februar 2016 in Davos (Schweiz) wurden Prognosen abgegeben, nach denen weltweit in 5 Jahren weltweit 7,1 Millionen Arbeitsplätzen durch Computer-Steuerung ersetzt werden, die nur 2 Millionen neue - aber ausschließlich computer- und software-technische Arbeitsplätze schaffen würde. In dem SZ-Artikel "Verlust von Arbeitsplätzen durch Digitalisierung - Davos diskutiert über das Grundeinkommen" werden die Vorschläge von Wirtschaftgrößen vorgestellt.

Die dringende Notwendigkeit einer Veränderung der derzeitigen Grundsicherung wurde auf dem SZ-Wirtschaftsgipfel am 20.11.16 auch von Siemens-Chef Joe Kaeser dargelegt: Der digitale Wandel - insbesondere das Fortschreiten der Roboter-Entwicklung - wird nach Forschungen der Bundesagentur für Arbeit voraussichtlich bis 2025 viele Berufe eliminieren und allein in Deutschland bis 2025 1,5 Millionen Arbeitsplätze überflüssig machen. Kaeser warnt davor, dass die Gesellschaft solchen digitalen Wandel nicht tolerieren würde. Die Menschen werden ihre Existenz nicht mehr durch Arbeit in anderen Berufen sichern können.

Interessante Konzepte aus Rohstoff-reichen Ländern können hier nicht umgesetzt werden: Wie zum Beispiel in Katar, wo die landeseigenen Bürger Benzin umsonst beziehen.[1]

Bedingungsloses Grundeinkommen einfach erklärt

In diesem 3-minütgen Video wird das bedingungslose Grundeinkommen einfach erklärt und Vor- und Nachteile vorgestellt:

Filme

Die Fähigkeit, sich die Welt anders vorstellen zu können, muss man trainieren.

Franziska Schläpfer[2]


Nie wieder arbeiten?

In dem Film "Nie wieder arbeiten? - Grundeinkommen für Jeden" (vom BR, 2014) berichtet R.M. Jilg über

  • den Fortschritt in der Schweiz, die schon aufgeschlossener zu sein scheinen als die Deutschen: Dort wird bereits ein Volksentscheid (direkte Demokratie) vorbereitet, aufgrund einer im Herbst 2013 eingebrachten Petition zur Einführung des Grundeinkommens mit fast 130.000 Unterschriften.
  • die Aktivitäten der Schweizer Initiative im "Unternehmen Mitte", dem Baseler Internet-Kaffeehaus von Daniel Häni. Dies ist "ein Reflexionsort für neue, unfertige Ideen, die noch zu Ende gedacht werden müssen". Er beschreibt das bedingungslose Grundeinkommen als "von der anderen Seite her gedacht": dass man ein Einkommen braucht, um qualitativ hochwertiger und gesünder arbeiten gehen zu können.
  • Daniel Häni: seine Kaffeehaus-Mitarbeiter seien kein Kostenfaktor sondern die Gastgeber; dort haben zum Beispiel die (WC-) Reinigungskräfte als Wertschätzung einen höheren Stundensatz als die Servicekräfte. Häni weist auf das Menschenbild hin, das bei sich selbst meist höher geschätzt wird als bei anderen; auch, dass Freiheit immer noch mit Durchsetzungsvermögen gleichgesetzt wird.
  • seine Gespräche mit Götz Werner (Träger des Bundesverdienstkreuzes und Gründer der Drogeriemarkt-Kette dm) als Vorreiter des bedingungslosen Grundeinkommens in Deutschland: Werner bezieht sich auf Artikel 1 des Grundgesetzes, den Menschen eine bescheidene Existenz zu sichern um die Würde des Menschen zu garantieren. "Es ist im Grunde wie beim Monopoly: jedes mal wenn Sie über Los kommen, kriegen sie 1.000 Euro." Der Mensch sei ein Tätigkeitswesen. Das Steuersystem sei veraltet und aus Selbstversorger-Zeiten. Zitat: "Die Frage ist nicht mehr "was muss ich von meiner Ernte abgeben?" sondern Konsum-abhängig: "was muss ich abgeben für das, was andere für mich ernten?"."
  • die Gegner: Gewerkschaften. Sie glauben nicht, dass es funktioniert, wenn man den Vermögensbesitzern noch mehr dazugeben würde, wo sie auch noch viel bessere Möglichkeiten hätten zum Dazuverdienen als die meisten andern, die es benötigen (zum Beispiel bei Kindererziehung oder Angehörigen-Pflege). Vermögensbesitzer würden sich dann noch mehr aneignen. Dies sei nicht durch eine höhere "Mehrwertsteuer" auszugleichen. Und: ohne das von Kollektiv bzw. der Gewerkschaft vertretene Recht auf Arbeit fehlt dem einzelnen Arbeitnehmer im kapitalistischen System dann eine Verhandlungsmacht.
  • Konsequenzen anhand konkreter Familien-Beispiele: z.B. dass sich der Pflegenotstand vielleicht erhöhen würde, weil überlastetes Personal weniger arbeiten würde - aber es hätten dann auch mehr Angehörige Zeit, sich zu kümmern ohne ihre Existenz zu riskieren. Die Altersvorsorge für Selbstständige wäre keine Belastung mehr.
  • Johann Kopp, Gründer des Bürger vermögen viel e.V., der begonnen hat, in einem kleinen Rahmen mit seiner Bürgerkarte erste Erfahrungen zu sammeln mit etwas, was dem BGE entsprechen würde. Diese Bürgerkarte verhilft den Besitzern bei Einkäufen zu einem Bürger-Budget, über das sie selbst bestimmen können.
  • den Ökonom und Glücksforscher Prof. K. Ruckriegel: er erläutert seine Forschungen über den Zusammenhang von Glück und Arbeit. Die Ergebnisse bedeuten, dass das BGE das Zufriedenheitsgefühl der Bevölkerung vorraussichtlich erhöhen würde, weil die Zufriedenheit nur bis zu einer bestimmten Einkommenshöhe ansteigt. Danach bleibt sie gleich, weil die Ansprüche in gleichem Maße ansteigen. Geld habe tatsächlich nur eine Absicherungs- und Wertschätzungs-Funktion im Glücksmaßstab. Aufgrund der demographischen Entwicklung sieht Ruckriegel Vorteile auch für Unternehmer.

Der Film schließt ab mit Götz Werners Antwort auf die Frage, wie lange die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens in Deutschland noch brauchen würde:

Ich habe nie gedacht, dass meine Generation noch die Wiedervereinigung erlebt - und eines Tages hieß es "die Mauer ist gefallen". Es geht immer Schub-weise.
Es kann wirklich so sein, dass die Menschen eines Morgens das Fenster aufmachen und sagen "warum haben wir eigentlich noch kein Grundeinkommen?!"

Es braucht einen Bewusstseinsschub oder eine Katastrophe: der Mensch lernt entweder durch Einsicht oder durch Katastrophe.

Götz Werner[3]


Persönlicher Standpunkt von Heike_W.11

Der Grundton der Doku ist eher "klein-mutig-erforschend". Jilg-Fazit: "Ich bin eigentlich schon fast ein Fan von BGE, aber gut, dass das die Schweizer das erst-mal ausprobieren". Damit gibt er von der Bevölkerung eine vorwiegend neugierig-zögerliche Haltung wieder.

Grundeinkommen - ein Kultur-Impuls

Der Film "Grundeinkommen" wurde von den Schweizern Daniel Häni und Enno Schmidt, den Begründern der Schweizer Volksinitiative "Grundeinkommen.ch", in 2008 produziert.

Der von Daniel Häni unter Creative Commons lizenzierte Film gibt einen lehrreichen Einstieg zum Thema Bedingungsloses Grundeinkommen und kann hier in voller Länge angesehen werden:

Crowdfunding-Projekt "Mein Grundeinkommen"

Beim Projekt "Mein Grundeinkommen" wird per Crowdfunding Geld für ein Bedingungsloses Grundeinkommen gesammelt. Immer wenn 12.000 € zusammen sind, werden sie an eine Person ausgelost. Die Person kann dann ein Jahr lang ausprobieren wie sich ein Grundeinkommen auf das Leben auswirkt.

Wie der Berliner Michael Bohmeyer das Projekt auf die Beine gestellt hat, ist hier beschrieben.

Michael Bohmeyer hatte sich über ein Internet-Unternehmen ein so regelmäßiges Einkommen gesichert, dass er quasi wie mit einem Grundeinkommen leben konnte. Deshalb konnte er viel Engagement in das Projekt "Mein Grundeinkommen" stecken. Das Projekt hilft die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens weiter zu verbreiten und real zu machen. Bohmeyers zu diesem Zweck gegründeter Verein hatte nach 10 Monaten schon 60.000 Mitglieder, die durch Einzahlungen einmalig spenden oder dauerhaft einzahlen.

Diese Idee hatte einen völlig unerwarteten Erfolg: Im Juli 2014 startete ein Crowdfunding-Projekt, bei dem das Funding-Ziel von 12.000€ mit über 51.000€ überwältigendes Interesse weckte. Im Februar 2016 werden im Blog die ersten aktuellen Zahlen berichtet: Rund 12.000 Menschen erbringen durch regelmäßige monatlichen Spenden (als "Crowdhörnchen") 50.000 Euro ein, neben den anderen Optionen wie eine Crowdbar für Internet-Einkäufe und einer Payback-Karte aufs Vereinskonto. Die aktuelle Aufschlüsselung gibt es hier zu lesen. Bis Dezember 2016 wurden von über 47.000 Menschen 70 mal 12.000€ verlost, das heißt 70 Grundeinkommen finanziert.

Was die Empfänger damit tun bzw. tun würden, wird auf dieser Seite veröffentlicht. In seiner Initiative zur Abschaffung der Hartz-IV-Sanktionen bereitet er die Argumente auf, wie Hartz-IV aus der Bedrohung zur Sicherung gehen kann. Dazu starten erste wissenschaftliche Studien mit den Empfängern, die die gesellschaftliche Wirkung untermauern sollen.

Experimentelle Einführungen

Mehrere Städte in den Niederlanden haben sich ab 2016 bereit erklärt an einem von der Universität Utrecht überwachten Experiment teilzunehmen und ein Bedingungsloses Grundeinkommen für Sozialhilfeempfänger eingeführt. Damit soll auch festgestellt werden, ob der Verwaltungsaufwand für Bearbeitung von Anträgen dann sinkt. Mehr dazu hier.

Auch in Finnland hat die Regierung hat laut FAZ-Artikel vom 7.12.15 ein Grundeinkommen von 800€ pro Monat in Planung - 70 Prozent der Bevölkerung findet den Plan gut. Begonnen hat Finnland jedoch seit 1.1.17 mit einem abgespeckten Test: 2000 Arbeitslose wurden ausgelost und erhalten 560€ Grundeinkommen zuzüglich individueller Bedarfe wie Wohngeld, Kindergarten. Die Armutsgrenze liegt bei 916 beziehungsweise 1188€. Mehr dazu auf dem Blog von "Mein Grundeinkommen".

In Kanada will die Provinz Ontario in 2016 ein Pilotprojekt einführen und in der Schweiz steht ein entsprechendes Gesetz vor der Abstimmung.[4]

Laut Bericht fand ein erster Test bereits 1974 in der kanadischen Stadt Dauphin/Manitoba statt - und zwar nicht nur mit Sozialhilfe-Empfängern sondern mit allen Einwohnern. Das Ergebnis sei positiv gewesen:
Die Armutsrate der Stadt fiel, Menschen wurden zudem seltener krank und mussten weniger wegen psychischen Problemen behandelt werden - was das Gesundheitssystem entlastete. Zwar sank ebenfalls die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden, aber das betraf am stärksten junge Männer, die das Grundeinkommen für Studium oder Weiterbildung nutzten, oder jungen Müttern, die sich stärker um ihre Kinder kümmerten als zuvor. Das Experiment sei 1977 aus wirtschaftlichen Gründen abrupt abgebrochen worden, ohne zunächst die Ergebnisse zu veröffentlichen (siehe auch Wikipedia/Mincome).

Auch in den USA gab es laut Wikipedia bereits 1967 Umsetzungsversuche und Pilotprojekte, die trotz der Empfehlung der von Präsident Johnson Untersuchungs-Kommission keinen Widerhall fanden.

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Weiterführendes

Artikel

Literatur

Videos

Filme

  • Grundeinkommen - ein Kulturimpuls - "Der Film", Film-Essay von Daniel Häni und Enno Schmidt, produziert 2008 in der Schweiz. Die Grundlagen von BGE sehr gut erklärt. Bleistift.png
  • Grundeinkommen gewonnen! - ARD - Doku: 9 Monate lang begleitete ein ARD-Kamerateam eine Familie, die per Los ein 1 Jahr lang eine Grundeinkommen in Höhe von 1.000€ gewonnen hatte. (Aktion mein-Grundeinkommen.de). Mediathek 29min abrufbar bis 19.3.2018 Bleistift.png
  • SRF Sternstunde Philosophie mit David Graeber - Der Anthropologe David Graeber zur Idee des bedingungslosen Grundeinkommen Bleistift.png

Weblinks


 (Hilfe)

Autoren

Heike W., Stefan, Bot und Bernd
Jeder Autor hat seine eigenen Passagen zu diesem Artikel beigesteuert. Deshalb muss nicht jeder Autor alle Passagen des Artikels unterstützen.
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Einzelnachweise

  1. nach Berichten von Flüchtlingen, die in Katar gearbeitet hatten (Heike W.)
  2. alias Big Zis, Poetin, Rapperin und Mitglied im Komitee der Volksinitiative; auf http://bedingungslos.ch/
  3. In der Doku von R.M. Jilg "Nie wieder arbeiten?", Bayrischer Rundfunk 2014
  4. Kanadische Provinz Ontario erwägt Grundeinkommen Artikel vom 10.3.16, abgerufen am 10.3.16
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